Förderung der Willkommens- und Anerkennungskultur in Unternehmen für Fachkräfte mit Migrationshintergrund

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Förderung der Willkommens- und Anerkennungskultur in Unternehmen für Fachkräfte mit Migrationshintergrund

Deutschland erlebt eine Zeit des demographischen Wandels und Fachkräftemangels. Sowohl im In- als auch Ausland stehen jedoch zahlreiche potentielle Fachkräfte zur Verfügung. Auf der Fachveranstaltung „WAKA“ Ende März tauschten sich Unternehmen und Multiplikatoren aus der Region Augsburg dazu aus, wie eine Willkommens- und Anerkennungskultur in Unternehmen etabliert werden kann.

Kultur des Miteinanders fördern
Die Idee des EU-Förderprojekts „WAKA – Willkommens- und Anerkennungskultur in Augsburg“ ist, eine Willkommenskultur für diejenigen, die neu zugewandert sind und Anerkennung für diejenigen zu fördern, die schon lange da sind. Ein Netzwerk bestehend aus neun Projektträgern bearbeitet ein Bündel an Aufgabenfeldern. Dazu gehören ein kommunales Integrationsmanagement, die Vernetzung und Teilhabe, Projekt- und Qualitätsmanagement sowie – das Thema der Veranstaltung – Willkommensangebote für die Arbeits- und Wirtschaftswelt. Im letzteren Bereich wird es bis 2018 eine Überarbeitung der städtischen Webseite „Willkommen in Augsburg“ geben, Fachtagungen, Willkommenspakete für Mitarbeiter und eine enge Begleitung von Unternehmen, die Fachkräfte mit Migrationshintergrund einstellen möchten. Dr. Margret Spohn, Leiterin des Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt der Stadt Augsburg und Projektleiterin von WAKA, stellte die Aufgaben und Akteure des Projekts vor. Mit der Auswahl der Kresslesmühle als Veranstaltungsort knüpfte man an die Tradition des interkulturellen Miteinanders an, wie Reiner Erben, Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration der Stadt Augsburg in seinem Grußwort vorstellte. Die „Mühle“ war bis in die 70er Jahre, als bereits viele Gastarbeiter in die Textilstadt gekommen waren, ein Kristallisations- und Treffpunkt verschiedener Kulturen. Heute wird dort, nach Fertigstellung der Renovierung, ein Bildungs- und Kulturzentrum Einzug halten, in thematischer Ergänzung zur Kleinkunst- und Kabarettbühne im Erdgeschoss, die seit 30 Jahren im Bereich der Kleinkunst zu den Topadressen in Deutschland zählt und auf welcher vor allem der Schwerpunkt „Interkultur“ gelebt wird.

Endogene Potentiale heben
„Das Wirtschaftsleben ist ein entscheidendes Element für die erfolgreiche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“, so Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH, in seiner Ansprache. Was eine Willkommenskultur konkret bedeuten kann, veranschaulichten die WAKA-Partner der Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH und der Innovision Concepts GmbH in ihren Beiträgen: Es geht um das Finden, Binden und Qualifizieren von Fachkräften. Die Herausforderungen liegen im Bereich der Sprache, des Aufenthaltsrechts und der Qualifikation. „Fachkräfte müssen sich wohl fühlen, denn wer sich wohl fühlt, der bleibt“, so Andrea Agbo, Geschäftsführerin von Innovision Concepts. Wichtige Aspekte seien nicht nur das Employer Branding, sondern sich aktiv auf die kulturelle Vielfalt einzulassen, diese wertzuschätzen, zu fördern und als Investition in die Zukunft zu sehen. KMUs könnten dies auch mit kleinen Maßnahmen bereits erzielen, z.B. mit Einarbeitungsplänen oder Willkommenspaketen.

Standardisierungen versus Partikulares
„Wir sind alle kulturell, im Sinne von besonders“, hob Professor Dr. Alois Moosmüller vom Institut für Interkulturelle Kommunikation der Ludwig-Maximilians-Universität München in seiner Rede zu den interkulturellen Integrationsprozessen am Arbeitsplatz hervor. Eine große Palette an unterschiedlichen Lebensvorstellungen und Orientierungen prägen die Menschen. Damit müssen wir uns, insbesondere im Arbeitsleben, auseinandersetzen, das von starken Standardisierungen der Arbeitsprozesse geprägt sei, womit sich ein Spannungsfeld auftut und Irritationen entstehen können. Dies beinhaltet beispielsweise kulturell bedingte unterschiedliche Vorstellungen von Unternehmensführung, der Trennung von Beruflichem und Privatem, Diskussionskulturen und Feedback-Kulturen. Kulturelle Prägungen sind zugleich nicht statisch, sondern ein fortlaufender dynamischer Prozess. Gemäß der modernen Migrationsforschung können bis in die dritte Generation doppelte Bezugswelten bestehen. Anderskulturelle Hintergründe sollten jedoch als Schatz verstanden werden. Zeit, Geduld und eine positive Grundeinstellung können helfen, Schwierigkeiten des täglichen Miteinanders zu meistern. Und zuvorderst: Entlang des Bestehens gemeinsamer Rahmenbedingungen die stete Bereitschaft, die Perspektive zu wechseln, Spielraum zuzugestehen und die Suche nach Gemeinsamkeiten.

Von der Theorie in die Praxis
Drei sehr unterschiedliche Unternehmen gingen in der Podiumsdiskussion der Veranstaltung auf die Maßnahmen ein, die sie anwenden, um die unternehmerische Willkommens- und Anerkennungskultur zu fördern. Randstad Deutschland, mit 20% ihrer Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, hat eine breite Palette an Bindungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Der Nutzen diverser Teams wird unter anderem darin gesehen, dass diese kreativer als homogene Teams seien. Es würde immer wichtiger, wie Teams zusammengesetzt seien, es ginge darum den richtigen Mix zu finden, damit etwas Neues entstehen kann. Goge Stahlbau, ein Metallbau-Meisterbetrieb aus Friedberg, setzt auf einen familiären Umgang. Etwaige Kommunikationsprobleme können schnell wieder gelöst werden. Die kleine, kulturell sehr diverse Belegschaft, ist ein gleichwertiger Teil der Gemeinschaft, in der auf Vertrauensbasis zusammengearbeitet wird, was auch die Arbeitszeiten umfasst. Bei Faurecia Clean Mobility ist auch in Augsburg eine sehr internationale Belegschaft gegeben. Die Unternehmenskultur basiert darauf, alle zu integrieren, Sprache solle niemals eine Grenze sein. Die Maßnahmen sind umfassend: Stellenausschreibungen in verschiedenen Sprachen,  Englische Bewerbungsinterviews, Relocation-Services, Deutsch-Kurse, internationale Nachwuchsprogramme, Aktivitäten zur Vernetzung und vieles mehr.

Über das Projekt „WAKA“
Im Rahmen des EU-Projektes „WAKA – Willkommens- und Anerkennungskultur in Augsburg“ soll ein umfassendes Integrationsnetzwerk entstehen. Das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt der Stadt Augsburg schafft gemeinsam mit acht starken Partner, gefördert durch den Europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF), die Rahmenbedingungen für eine erlebbare Willkommens- und Anerkennungskultur. Die Angebote reichen von Willkommensworkshops für Arbeitgeber über Informationsportale, Dolmetscherpools und Personalschulungen im Bereich der interkulturellen Kompetenz bis hin zu entsprechenden Handreichungen für ausländische Fachkräfte.

Diskussionsrunde Betriebliche Praxisbeispiele (Foto: Stadt Augsburg)

Diskussionsrunde Betriebliche Praxisbeispiele (Foto: Stadt Augsburg)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Veranstaltung am 23.03.2017 in der Kresslesmühle Augsburg, siehe auch: www.regio-augsburg-wirtschaft.de/veranstaltungen/veranstaltungsarchiv/waka

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