Nachhaltig und sozial: “Neuhauswiese” in Königsbrunn

Gepostet von In der Kategorie A³-News, Immobilien | bisher noch keine Kommentare

Nachhaltig und sozial: “Neuhauswiese” in Königsbrunn

Nachhaltig und sozial: “Neuhauswiese” in Königsbrunn

Eine große Herausforderung für Kommunen im Kontext geflüchteter Menschen besteht derzeit u.a. darin, möglichst schnell zusätzlichen Wohnraum bereitzustellen. Die Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung der Stadt Königsbrunn mbH (GWG) hat acht Fertighäuser in Holzbauweise in Auftrag gegeben, die Wohnraum für 116 Asylbewerber bieten. Die flexible Bauweise ermöglicht einen einfachen Rückbau in eine Wohnanlage.

Die Bevölkerungszahl in den Städten wächst, die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber steigt. Die Herausforderung für die Kommunen besteht derzeit daher darin, möglichst schnell zusätzlichen Wohnraum bereitzustellen. Wie können die Gemeinden und Städte kurzfristig bezahlbare, funktionale, ins Ortsbild integrierbare und sozial orientierte Wohnungen zur Verfügung stellen? Eine Antwort hat ein Projekt im Landkreis Augsburg gefunden. Für die Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung der Stadt Königsbrunn mbH (GWG) war die Lösung, auf einem unbebauten Grundstück südlich von Augsburg acht Fertig­häuser in Holzbauweise in Auftrag zu geben, die Wohnraum für 116 Asylbewerber bieten. Doch das ist nur der erste Schritt: Die flexible Bau­weise ermöglicht einen einfachen Rückbau der Wohnelemente in eine Wohnanlage, die auf dau­erhafte Nutzung ausgelegt ist.

Innovation: nachhaltig und sozial

Günther Riebel, Geschäftsführer der GWG, ist überzeugt, dass man den vielschichtigen Bedarf nur mit Innovation decken kann: „Was wir jetzt brauchen, ist nicht die Renaissance der Baracken­siedlung, sondern guter, sicherer und bezahlba­rer Wohnraum für Generationen. Genau das ist die Idee für unser „Gemeinschaftliches Wohnen an der Neuhauswiese”. Nach der Erstnutzung als Asylbewerberunterkunft steht das Dorf als gemeinschaftsorientierte Wohnanlage für die Bürger der Stadt Königsbrunn zur Verfügung.

Das Ziel, Wohnraum zu schaffen, der über eine kurzfristige Zwischennutzung hinaus wertvoll ist, lässt sich nur verfolgen, wenn von Anfang an Kriterien für eine langfristige Nutzung berück­sichtigt werden. Neben einer zentralen Heiz­versorgung sind auch die Installationen und Telefonanschlüsse so verlegt, dass in der späte­ren Nutzung ohne viel Aufwand Wohneinheiten vergeben werden können. Derzeit teilen sich bei­spielsweise vier bis sechs Bewohner eine Küche und ein Bad, später könnte dieser Raum ein Appar­tement für Paare oder Familien werden. Die dörf­liche Gestaltung der Wohnanlage ist ein Aspekt, der nicht nur den Zweitnutzern zu Gute kommt: „Eine Containersiedlung ist für uns im Rahmen der Planungsüberlegungen ausgeschieden. Wir wollen keine Stigmatisierung unterstützen und keinen sozialen Brennpunkt schaffen. Vielmehr wollen wir Integration unterstützen und fördern. Ein Stück weit kann man das auch durch den baulichen Rahmen“, erklärt Riebel. So können in Stadt- oder Gemeindevierteln neue Quartiere ent­stehen, die auch den Anspruch sozialer Kriterien wie eine soziale Siedlungsgemeinschaft erfüllen und die gesellschaftliche Akzeptanz von Asylun­terkünften fördern.

Welche Vorteile bietet hier der Holzbau?

Holz ist ein heimischer Baustoff und damit eine verfügbare Ressource, mit der gerade die regionalen Unternehmen arbeiten und besondere Expertise in der Verwertung zeigen. Günther Rie­bel sieht im Baustoff Holz die Anforderungen für das Projekt erfüllt: „Das Bauen mit Holz ermög­licht kurze Planungszeiten, modulare Grundrisse und eine witterungsunabhängige und sehr weit­gehende Vorfertigung bei extrem kurzen Ferti­gungs- und Montagezeiten.“

Umgesetzt wurde das Bauvorhaben von der Gumpp & Maier GmbH, die sich im Fall der „Neu­hauswiese“ in Königsbrunn für eine zweidimen­sionale Elementbauweise entschieden haben. „Das dauert, wenn man die Gesamtbauzeit betrachtet, genauso lange wie die klassische Modulbauweise. Und auf der grünen Wiese brauche ich keine Module. Damit spare ich mir auch die Probleme, die mit der Koppelung der Module zusammen­hängen“, so Alexander Gumpp. Auf diese Weise konnte das Projekt in einer extrem kurzen Ferti­gungs- und Montagezeit von sieben Monaten von ersten Überlegungen bis zur Schlüsselübergabe verwirklicht werden. Auch energetische Stan­dards wurden berücksichtigt und beispielsweise Lüftungsanlagen, Dämmung und, durch spezielle Abdichtungsverfahren, ein optimierter Feuchtig­keitsschutz eingebaut. Da für die Wohnanlage eine Mindestnutzung von 50 Jahren kalkuliert wurde, war besonders die funktionale Bauweise, die auch einfaches Renovieren für die Zweitnutzug erlaubt, ein Grund für die Entscheidung der Kommune für das Projekt. Zum Beispiel können einzelne Bretter der Holzverkleidung oder auch im Dielenfußbo­den problemlos ausgetauscht werden.

Die „Neuhauswiese“ in Königsbrunn zeigt eine innovative und schnell umsetzbare Antwort des Holzbaus auf die enorme Nachfrage nach günsti­gem, aber qualitativem Wohnraum, der nachhal­tigen Standards entsprechen soll.

Quellen: Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung der Stadt Königsbrunn mbH (GWG) und Gumpp & Maier GmbH in: Ahochdrei Magazin Immobilien, Ausgabe 03/2016, Seite 50-51

Bild: GWG der Stadt Königsbrunn mbH

Kommentar verfassen

Felder mit einem * sind Pflichtfelder. Ihre Kommentare werden nach einer Prüfung durch unsere Redaktion freigegeben.