Das Thema Flüchtlinge wird nicht nur aktuell heiß diskutiert, es wird uns auch die nächsten Jahre noch beschäftigen. Deswegen gilt es jetzt die Weichen dafür zu stellen, dass die Integration von Flüchtlingen gelingen kann, da eine baldige Rückkehr für die meisten von ihnen  nicht möglich sein wird. Zu einer gelungenen Integration gehört auch, die Menschen, die zu uns kommen erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt einzubinden, da dieser Schritt nicht nur den Weg in die Eigenverantwortlichkeit ebnet, sondern ein Schlüssel zur Integration im Allgemeinen ist. Wie aber kann die Integration von Flüchtlingen an den Arbeitsmarkt gelingen? Bei der Veranstaltung der Fachkräfte Initiative Wirtschaftsraum Augsburg am 03.05.2016 im Technologiezentrum Augsburg wurde Antworten auf diese Frage gesucht. 

 

Viele Unternehmen zeigen sich offen für die Beschäftigung von Flüchtlingen. Gleichzeitig besteht eine große Unsicherheit, ob und wie eine erfolgreiche berufliche Integration gelingen kann. Neben den beiden Kammern, der Agentur für Arbeit und dem Deutschen Gewerkschaftsbund sprach der Hauptredner Detlef Scheele, Vorstand Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit zum Thema Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Im Rahmen seiner Keynote gab er einen Überblick über den Stand der Integrationsanstrengungen. „Die Schwierigkeit ist, Flüchtlinge, die in ihren Herkunftsländern kein Ausbildungssystem kennen, von den Vorteilen zu überzeugen, in die eigene Bildung zu investieren, statt schnell Geld durch Aushilfsjobs zu verdienen“, so Scheele. Der Königsweg der Integration liege in der Kombination aus Arbeit und Ausbildung.

Ein eindrucksvolles Gesicht gaben dem Thema jedoch die Praxisbeispiele. Sie zeigten den Teilnehmern, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gelingen kann und muss. Muhammad ALi Nabizadah ist so ein Beispiel. Er unterschrieb vor kurzem seinen Ausbildungsvertrag als Zerspanungsmechaniker bei der MAN Diesel & Turbo SE. Herbert Huttner, Ausbildungsleiter bei MAN Diesel & Turbo SE, ist stolz auf die Entwicklung seines Auszubildenden, dieser ist sogar Klassenbester.

Auch Gerhard Bucher, Geschäftsführer der phone Kommunikations- und Sicherheitstechnik GmbH aus Augsburg, zeigt sich beeindruckt von den guten Berufsschulnoten und dem Lerneifervon seines Azubi Elias Dahoud aus Syrien.

Ein weiteres Praxisbeispiel lieferte die 21jährige Agripina Rutebinga aus Uganda. In ihrer Heimat hatte sie ihr Abitur gemacht und Protokoll und Diplomatie in internationalen Beziehungen studiert, ein Studium, das sie in Deutschland auf Grund fehlender Nachweise nicht weiterführen kann. Nun ist sie auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz zur Hotelfachfrau. Die deutsche Sprache sollte hier kein Hindernis sein, Frau Rutebinga beherrscht sie nicht zuletzt auch durch ihre selbst gezahlten Deutschkurse bereits sehr gut.

„Es freut mich, dass wir dieses Jahr genügend Geld haben, um mehr als 1.000 junge und erwachsene Flüchtlinge mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zu unterstützen. Neben Geld ist aber auch viel Engagement unerlässlich.“ (Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg)

Impressionen der Veranstaltung

„In 2015 haben wir 70 Flüchtlinge in eine Ausbildung und weitere 20 in eine Einstiegsqualifizierung vermittelt. Und die Rückmeldungen aus den Handwerksbetrieben sind positiv“ (Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben)

„Wir müssen teilen lernen und dürfen nicht vergessen, dass die Menschen aus Angst zu uns kommen. Darüber hinaus muss das Augenmerk darauf liegen, geflüchteten Menschen eine nachhaltige Chance auf Augenhöhe für den Arbeitsmarkt zu schaffen.“ (DGB)