Förderung der Innenentwicklung

Die tägliche Flächenversiegelung in Bayern umfasst etwa 25 Fußballfelder. Diese Zahl ist alarmierend, gäbe es doch Möglichkeiten, sorgsamer und sparsamer mit der wertvollen Ressource „Fläche“ umzugehen – gerade auch vor dem Hintergrund der gleichzeitig zunehmenden Verödung von Ortsmitten. Kommunen aus A³ zeigen mit folgenden Projekten Lösungswege auf.

Leerstände im Zentrum stellen vor allem ländliche Gemeinden vor Herausforderungen. So entstehen Neu­bauten am Ortsrand, während Häuser im Gemeindekern oder in älteren Neu­baugebieten oftmals veralten, unrenta­bel sind oder bereits leer stehen. Hinzu kommt, dass in fast allen ländlichen Gemeinden die Bevölkerungszahl stagniert oder schrumpft.

Engagement im Augsburger Land

Kommunen des Land­kreises Augsburg machen vor, wie man mit dieser Thematik umgehen kann: Im Rahmen des Projekts Innenent­wicklung und Flächenmanagement im Augsburger Land“ wurden leerstehende Gewerbebrachen, landwirtschaftliche Anwesen, klassische Baulücken etc. systematisch erfasst und Leerstandrisiken analysiert. Weiter wurden verschiedene Maßnahmen zur Aktivierung des ermittelten Innenent­wicklungspotenzials angeboten. Ein Projektbaustein war beispielsweise die Ausgabe eines Gutscheins für eine kos­tenlose Erstberatung, bei der sich Eigen­tümer von ungenutzten Häusern bei Experten eines Architekturbüros bera­ten lassen konnten. Mit diesem Angebot sollten Privateigentümer motiviert wer­den, ihre ganz oder teilweise leerstehen­den Objekte wieder einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen. Durch eine zielge­richtete Innenent­wicklung entstehen Vorteile für Gemein­den, Bürger und Eigentümer.

Der Nutzen durch die Ansprache privater Grundstücks- und Gebäudeei­gentümer wird von vielen ländlichen Gemeinden zuweilen unterschätzt. Dabei hat Innenentwicklung zahlrei­che Vorteile – für Gemeinden, Bürger und Eigentümer. Ortskerne werden revitalisiert und vorhandene techni­sche Infrastruktur wie Wasser- und Kanalleitungen, aber auch Einrichtun­gen zur Grund- und Nahversorgung im Ortskern, werden besser ausgelastet. Gewachsene Ortskerne bleiben in ihrer historischen und kulturellen Einzig­artigkeit besser erhalten. Erholungslandschaften und landwirtschaftliche Flächen an den Ortsrändern werden geschont. Eigentümer, die sich um eine zeitgemäße Sanierung älterer Häuser oder um eine Veräußerung von Bauplät­zen bemühen, sichern sich so langfris­tig die Immobilienwerte und fördern zugleich eine ausgewogenere Alters­struktur in allen Quartieren des Orts.

Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE)

Offizielles Ende des von öffentlicher Seite geförderten Projekts war im Juli 2015. Doch die sog. Integrierte Ländli­che Entwicklung (ILE) Holzwinkel und Altenmünster führt das Thema Innenentwicklung nun eigenständig weiter. Sie stellt einen Kooperationsverband von sechs Gemeinden dar. Schon 2012 wurde hier eine Entwicklungs­strategie erarbeitet, zu deren Umset­zung der Verein „Entwicklungsforum Holzwinkel und Altenmünster e. V.“ gegründet wurde. Hand­lungsmöglichkeiten bezogen auf das Thema Innenentwicklung liegen in der Aufwertung überalterter Wohngebiete, der behutsamen Ausweisung von Neu­baugebieten bei gleichzeitigem Leer­stand im Innenort sowie dem Ergreifen von Maßnahmen zur Unterstützung der Eigentümer oder Bauwerber bei der Aktivierung vorhandener Innenflä­chenpotenziale. Als nächste Maßnahme will das Entwicklungsfeld VI eine Übersicht über kommunale Fördermöglichkeiten z. B. im Rahmen der Städtebauförderung sowie der Dorferneuerung veröffentli­chen. „Es ist mir ein großes Anliegen, dass unsere historisch gewachsenen ländlichen Gemeinden nicht nur nach außen wachsen, sondern auch dauerhaft im Ortskern belebt sind. Wichtig ist, dass wir Hand in Hand mit Privateigentümern daran arbeiten. Die ILE-Holzwinkel und Altenmünster leistet hier gute Arbeit“. Landrat Martin Sailer zum Engagement des Landkreises Augsburg.

Quellen: Landratsamt Augsburg und Entwicklungsforum Holzwinkel und Altenmünster e.V. in: Ahochdrei Magazin Immobilien, Ausgabe 03/2016, Seite 38-39

Bild: Roll-ups zur Bürgerinformation (Bild: Landratsamt Augsburg)