Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, Energie- und Materialeffizienz können Unternehmer viel Unerwartetes über ihren Betrieb lernen. Zum Beispiel, dass ihr Gabelstapler-Fahrer die Schlüsselperson für die Optimierung des Materialflusses ist, weil er die Materialliste in der Tasche hat und damit der Einzige, der wirklich weiß, wo alles steht. Oder dass sie mit einer 25 Euro-Investition fast eine Million Euro mehr Umsatzerlöse erzielen können.

„Kein Problem kann durch dasselbe Bewusstsein gelöst werden, das es erzeugt hat“, wusste schon Albert Einstein. Deswegen kann es durchaus Sinn machen, sich seine Prozesse einmal „von außen“ anzusehen und so nach neuen Potenzialen der Energie- und Materialeffizienz zu suchen. Wie verschieden dieser Blick „von außen“ ausfallen kann und was dabei Überraschendes zutage tritt, stellten vier verschiedene Experten im Rahmen eines Unternehmerfrühstücks der IHK Schwaben und des Ressourceneffizienzzentrum Bayerns im Mai diesen Jahres eindrucksvoll vor.

Ressourceneffizienz durch innovative Produktionsprozesse

Manche möchten schnelle Erfolge sehen. Mit diesen Unternehmen lassen sich schon in bis zu vierwöchigen Kurzprojekten eine Menge Verbesserungen erreichen, zum Beispiel im Bereich der Energieeffizienz. „Wir sind Experten für ressourceneffiziente Prozesstechnik und können sowohl bei der Bewertung einer Produktion wie auch bei der Entwicklung und Umsetzung von Effizienzansätzen unterstützen“, betont Johannes Glasschröder, Abteilungsleiter beim 2016 gegründeten Fraunhofer IGCV für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik. Auch die Einführung neuer, innovativer Technologien in der eigenen Produktion kann neben einer Steigerung der Innovationskraft zur Erhöhung der Ressourceneffizienz führen. So können z. B. aufwändige Werkzeuge durch die Flexibilisierung der Anlagen bzw. die Materialverschwendung durch neue Technologien, wie z. B. der additiven Fertigung, vermieden werden. Ein weiteres großes Potenzial sieht Herr Glasschröder im Bereich der Reinigungstechnik, wo oft „zu viel gereinigt wird“ und somit die Prozesse ineffizient werden. Aber auch die Energieeffizienz und -flexibilität sowie die Planung von effizienten Produktionssystemen sind aktuelle Themenstellungen, die von den Produktionsspezialisten am IGCV bearbeitet werden. Wer sich an die Produktionsspezialisten des Fraunhofer IGCV wendet, findet demnach eine Vielzahl an verschiedensten Ansatzpunkten, um seine Prozesse effizienter zu gestalten und dabei Material und Energie einzusparen.

Ressourceneffizienz systematisch angehen

Plakative Beispiele für die Potenziale eines systematischen Ansatzes zur Steigerung der Ressourceneffizienz hatte Matthias Voigtmann von ECA concept im Gepäck. „Wir haben durch Ressourceneffizienz Branchen verändert“, versichert Matthias Voigtmann. „Denn viele der eingeführten neuen Prozesse wurden auch in weiteren Zweigbetrieben an anderen Standorten zum Standard gemacht.“ Legendär ist inzwischen das Beispiel aus der Pfannenindustrie, bei durch eine Investition von 25 € fast eine Million zusätzliche Einnahmen möglich wurden – eine Investition, die sich in Sekunden amortisiert hat (s. nebenstehender Artikel).

Wie begeistere ich meine Mitarbeiter für Ressourceneffizienz und Kostenbewusstsein?

Wenn vom viel versprechenden entwickelten Maßnahmenkatalog nach sechs Monaten nur drei Maßnahmen umgesetzt sind, könnte das auch daran liegen, dass man die Mitarbeiter nicht ausreichend eingebunden hat. Zum Beispiel den besagten Gabelstapler-Fahrer. Erfasst man mit den Mitarbeitern gemeinsam die reellen Materialflüsse, zeigen sich oft eine Vielzahl an „low hanging fruits“ für mehr Materialeffizienz. So können in einem einzigen Produktionsprozess schon einmal 20 „Puffer“ versteckt sein. Es reicht deswegen nicht aus, nur Produkte, Anlagen und Prozesse unter die Lupe zu nehmen, um mehr Ressourceneffizienz zu erreichen. Ebenso wichtig sind die Motivation und Gedanken der Mitarbeiter, deren Wissen und Fähigkeiten sowie die Unternehmens- und Teamkultur insgesamt. „Mitarbeiter, die für Materialeffizienz begeistert werden können und durch die passende Unternehmenskultur unterstützt werden, tragen durch entwickeltes Kostenbewusstsein und Wissen wesentlich zur Umsetzung von Ressourceneffizienz bei“, erläutert Dr. Bernhard Ludwig, Experte des imu augsburg, das auf 25 Jahre Erfahrung zurückgreifen kann und damit bundesweit zu den Pionieren der Materialeffizienzforschung und -beratung zählt.

Blick über den Tellerrand der Produktion hinaus

Wer grundsätzlicher an das Thema Ressourceneffizienz herangehen möchte, sollte auch über die Grenzen seines Betriebs hinaus blicken. Viele Unternehmen fokussieren sich auf die Optimierung des Produktionsprozesses und damit auf den klassischen produktionsintegrierten Umweltschutz. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass die größten Schritte zu mehr Ressourceneffizienz den gesamten Lebenswegs des Produktes mit einschließen müssen. Von der Bereitstellung des Rohstoffs über das Design des Produkts bis hin zur Optimierung der Nutzungsphase und der anschließenden Rückführung der Produktbestandteile in den Stoffkreislauf. Der Schlüssel dazu ist eine Integrierte Produktpolitik, die auch eine Kooperation der Unternehmer längst der Wertschöpfungskette umfasst. Das bifa Umweltinstitut betreut mehrere solcher Projekte in verschiedenen Branchen, z.B. in den Bereichen Automotive, IuK, Papier und Biokunststoff. „Die große Herausforderung dabei ist allerdings, dass alle Beteiligten Kompromisse eingehen müssen, wenn nicht nur das eigene Produkt, sondern die Ressourceneffizienz über den gesamten Lebensweg hin maximiert werden soll“, resümierte Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rommel.