Factory of the Future – vernetzte Maschinen und selbstfahrende Roboter

Aus dem Programm des 7. Augsburger Technologietransfer-Kongresses

Viele Unternehmer stellen sich in Zeiten innovativer Veränderungen – vorrangig im Bereich Digitalisierung – die Frage, wie die Fabrik der Zukunft aussehen könnte. Welche Vorbereitungen gilt es zu treffen, wie lassen sich Innovationen in das eigene Unternehmen implementieren und welche Auswirkungen hat das wiederum auf den eigenen Berufsalltag? Christian Herfert, Senior Manager Technology & IP verantwortlich für Industrie 4.0/Digitalisierung bei der Grenzebach Maschinenbau GmbH wird sich als Keynote auf dem 7. Augsburger Technologietransfer-Kongress diesen Themen widmen. Wir haben im Vorfeld des Kongresses bereits ein Interview mit ihm zu diesem Thema geführt:

 

Ihr Unternehmen steht laut Website für „High Tech mit innovativer Leidenschaft“. Wie ist diese „innovative Leidenschaft“, also das Thema Innovation, in Ihrem Unternehmen organisiert? Wie leben Sie diese „innovative Leidenschaft“ konkret?

Unsere Stärke, neue und innovative Technologien schnell zu entwickeln und umzusetzen, können wir im 2016 gebauten Innovation Center in Hamlar ausleben. Ein Platz, der High-Tech und Kreativität, Erfahrung und Zukunftsvisionen zusammenbringt. Hier arbeitet die Abteilung Innovations der Grenzebach Gruppe, ein Team aus 20 Entwicklern und Ingenieuren, im interdisziplinären und agilen Ansatz. Dazu gehört eine Montagefläche von 1.450 m², die ausreichend Platz bietet, um unsere Visionen Realität werden zu lassen. Dabei liegt der klare Fokus auf Mehrwert, sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Fachabteilungen. Diese Rahmenbedingungen fördern die innovative Leidenschaft, neue Technologien werden greifbar und begreifbar.

 

Was raten Sie anderen Unternehmen: Wie kann man Innovationen am besten im Unternehmen implementieren?

Früher wurden Innovationen über die Hochschulen zunächst in der Industrie platziert und dann für den Consumer bereitgestellt. Heute kommt der Druck aus der anderen Richtung. „Smarte und connected Technologien“ aus dem privaten Leben werden zusehends von den Menschen auch im industriellen Umfeld erwartet. Woran man sich in seinem privaten Umfeld gewöhnt hat, darauf möchte man auch im Geschäftsleben nicht verzichten. Anbieter – auch im Maschinenbau – werden sich daher auf bestimmte gesellschaftliche Trends einstellen müssen, zum Beispiel darauf, Dinge lieber zu mieten als zu kaufen. Trends wie diesen werden wir als Anbieter adaptieren und in unsere Geschäftsmodelle und künftigen Produktportfolios einfließen lassen. Natürlich sollten Unternehmen „Best Practices“ anderer Firmen – auch aus anderen Branchen – analysieren und den Mut haben, erfolgreiche Modelle zu adaptieren. Es gilt, die beherrschbaren Elemente von Industrie 4.0-Lösungen herauszufiltern, damit schnell voranzuschreiten, um so eine effiziente Implementierung von Innovation zu erreichen.

 

In Sachen Innovation ist derzeit das Thema Digitalisierung in aller Munde: Wie stellt sich Ihr Unternehmen für die (digitale) Zukunft auf, Herr Herfert?

Früher haben Anlagenbauer im Prinzip Investitionsgüter in Form von „Stahl & Eisen“ geliefert, mit Verkabelung, Schaltschrank und Software. Heute liefern wir unseren Kunden zusätzliche Mehrwerte durch hybride Wertschöpfungsmodelle. Wir verkaufen nicht mehr nur Equipment, sondern übernehmen auch das Monitoring drum herum und begleiten den gesamten Produktlebenszyklus. Die physischen Produkte werden während des gesamten Lebenszyklus mit geeigneten Services kombiniert. Mit ersten hybriden Produkten sind wir bereits erfolgreich am Markt. Ebenso, wie wir als Anlagenbauer, durchlaufen unsere Kunden gerade den Wandel hin zur Digitalisierung. Aus Interesse entstehen Bedarfe und diese werden wir mit neuen innovativen Produkten und Services erfüllen. Viele sind es gewohnt, privat ständig „connected“ zu sein. Das erwarten wir zukünftig auch im industriellen Umfeld. Selbstverständlich nehmen wir bei diesem Wandel auch unsere Kollegen mit. Dabei reicht es nicht aus, Mitarbeiter in einer Schulung zusammenzuziehen, um ihnen mit geballter Kraft das Thema Industrie 4.0 einzutrichtern. Das Knowhow muss man Stück für Stück aufbauen. Wichtig ist, mit Beispielen zu arbeiten und das Thema für den einzelnen Mitarbeiter greifbar und begreifbar zu machen. Bei uns gibt es immer wieder Informationsveranstaltungen des Innovation-Teams mit den Fachabteilungen, um neues oder notwendiges Wissen portioniert zu vermitteln. Darüber hinaus arbeiten wir mit einem I4.0-LAB, in dem bestimmte Dinge für den Einzelnen sozusagen auch „plastisch begreifbar“ werden. Gerne zeigen wir in den jeweiligen Fachabteilungen, was Digitalisierung für die eigene „Arbeit von morgen“ bedeutet. Richtung Kunde betrachtet binden wir Industrie 4.0-Themen auch in unsere Produkt-Schulungen ein. Natürlich werden wir in Zukunft kein dediziertes „Produkt Industrie 4.0“ in unserem Portfolio haben. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass es unerlässlich ist, neben den eigenen Mitarbeitern auch die Mitarbeiter des Kunden zu befähigen, ihre Produktionswelt von morgen mit digitalisierten Produkten optimieren zu können.

 

Als Spezialist für Automatisierungslösungen ist Grenzebach auch ein Treiber für die Fabrik der Zukunft. Verraten Sie uns: Wie wird die „Factory of the Future“ aussehen?“. Was ändert sich in der Fabrik der Zukunft für die Mitarbeiter? Wie unterscheidet sich der zukünftige Arbeitsalltag von dem heutigen?

Fabrik der Zukunft heißt Mensch-Maschine-Kollaboration, also Technologie und Mensch hochflexibel im Verbund. Vom vollautomatisierten Produktionslager mit Fahrerlosen Transportsystemen über die automatische Be- und Entschickung durch Mobile Robots bis zur Prozess- und Bearbeitungsautomatisierung. Dirigiert werden die Abläufe in der Fabrik der Zukunft vom Menschen. Prozessketten, die automatisierbar sind, erledigen Roboter. Der Mensch kann jederzeit eingreifen und schrankenlos direkt mit Fahrerlosem Transportsystem (FTS) und Mobile Robot zusammenarbeiten, in dem autonom Teile entnommen und beladen wird. Die Mobile Robots sind personensicher für die Mensch-Maschine-Kollaborationen und somit hochflexibel mit allen anfallenden Arbeiten und Prozessschritten in der Fabrik der Zukunft kombinierbar. Sie unterstützen dabei den Mitarbeiter, nehmen ihm anstrengende und ergonomisch ungünstige Arbeitsschritte ab. Arbeitet der MR10S im Mensch-Roboter-Team, ist er absolut sicher. Sobald er im Schutzbereich im Einsatz ist – also nicht direkt von einem Mitarbeiter begleitet wird – kann er seine Energie für hochpräzises und schnelles Arbeiten frei machen. Vom Grenzebach Flottenmanager, einer der vielfältigen Apps des Grenzebach Application Servers, werden alle Transportaufgaben koordiniert.

Unser Application Server ist für das vorausschauende Dirigieren und Kontrollieren von Grenzebach- oder Thirdparty-Equipment die hochmoderne und modulare Zentrale. Er steuert ganzheitlich sämtliche Abläufe in der Produktion und integriert dabei Anlagenteile und Geräte sämtlicher Hersteller. Dieses Framework sichert unseren Kunden heute schon den sicheren Weg zur Industrie 4.0 – bis hin zur Fabrik von morgen. Durch den ebenso simplen wie sinnvollen Einsatz von Apps lässt sich das System nach und nach hochkonfigurieren.

 

Was ändert sich in der Fabrik der Zukunft für die Zulieferer?

Als Maschinen- und Anlagenbauer sind wir stets mit den Produktivitätskriterien unserer Kunden konfrontiert. Egal, ob in der Flachglas- und Baustoffproduktion oder bei Intralogistiklösungen: die Investitionsbereitschaft ist bei unseren Kunden stets an eine Mehrwertbetrachtung geknüpft. Die Erwartungen reichen hier von der Verfügbarkeit des Produktionsequipments über Stabilität der Produktionsprozesse und Steigerung der Produktqualität bis hin zur Implementierung von Safety- bzw. Security-Lösungen. Die Fabrik der Zukunft bietet uns und unseren Kunden nun die Chance, bisherige Produktionsprozesse im wahrsten Sinne des Wortes zu revolutionieren. Konkret: Bisher war es üblich, dass unsere Kunden auf bestimmte Vorkommnisse – zum Beispiel Abweichungen im Prozess oder in der Qualität – immer nur reagieren können. Künftig wird dieses „Reagieren“ durch echtes Agieren ersetzt. Das ist eine ganz neue Art der „Denke“. Zurzeit gibt es viele Unternehmen, die teils große Maintenance Crews vorhalten die immer dann als Feuerwehr aktiv werden, wenn irgendetwas nicht rund läuft. Ein solches Verhalten kann nicht die Zukunft sein. Wenn wir das einmal mit dem PKW vergleichen: Früher haben einige gesagt: „Wir brauchen keine Assistenzsysteme“. Heute fährt kaum noch jemand ohne Navigationssystem oder elektronische Einparkhilfe. Es ist normal, eine Reichweitenanzeige oder eine Luftdrucküberwachung der Reifen zu haben Dass all die smarten Systeme dem Nutzer das Leben erleichtern – dieses Bewusstsein wird auch in der Industrie wachsen.

 

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Unternehmen mit der Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen gemacht?

Wir als Grenzebach haben sehr gute Erfahrungen mit Forschungsreinrichtungen – also mit dem Zusammenführen von Theorie und Praxis – gemacht. Der interne interdisziplinäre Rahmen reicht beim Thema Digitalisierung nicht aus. Die Komplexität ist derart groß und der Fortschritt im globalen Rahmen vollzieht sich mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass es Vorteile bringt, sich nach Kooperationen auf verschiedensten Ebenen umzusehen. Wir suchen ganz gezielt die Zusammenarbeit mit Verbänden, mit anderen Firmen und mit Forschungsinstituten, um beim Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung schnell und effizient voran zu kommen. Ganz nach dem Motto: „Wer alleine arbeitet addiert, wer zusammenarbeitet multipliziert“. Grenzebach arbeitet zum Beispiel in bestimmten Gremien des VDMA mit. Des Weiteren gibt es eine Zusammenarbeit mit einem Forschungsprojekt zum Thema „Kollaboration von mobilen Robotern und Menschen bzw. Teambuilding von mehreren Menschen und Maschinen“. Wichtig ist, dass jeder über seinen Tellerrand hinaussieht und den Mut aufbringt individuell passende Kooperation einzugehen.

 

Gibt es wichtige Innovationsthemen, die Ihrer Meinung nach noch zu wenig auf dem Radar der Forschungseinrichtungen stehen?

Meiner Meinung nach werden die wichtigen Innovationsthemen bei Forschungseinrichtungen bearbeitet. Es wird in viele unterschiedliche Richtungen geforscht und das ist auch gut so. Allerdings sollte man bei der Umsetzung der Innovationsthemen in die Realität auch die Gefahren und Konsequenzen für den Menschen beleuchten. Vor allem im Rahmen selbstagierender Systeme müssen die unbemerkte, unterschwellige Beeinflussung sowie die Auswirkungen auf das soziale Umfeld dringend miteinbezogen werden. Teilweise sind diese Gefahren in Zeiten von Digitalisierungs- und Innovationswahn nicht überschaubar bzw. zu wenig berücksichtigt.

 

In welchem Szenario sehen Sie Ihr Unternehmen in 10 Jahren?

Um als High-Tech-Unternehmen langfristig auf dem Weltmarkt zu bestehen, ist es unerlässlich technologisch die Nase vorn zu haben. Dieser Strategie folgend sind Industrie 4.0 und Digitalisierung ein Thema, mit dem sich Grenzebach besonders intensiv und nachhaltig beschäftigt. Wir sehen uns in 10 Jahren nicht mehr „nur“ als Maschinen- und Anlagenbauer sondern als kompetenter Partner in der Prozessbegleitung unserer Kunden.

 

Ausführliche Informationen zum 7. Augsburger Technologietransfer-Kongress, wie z.B. den Programmflyer oder auch die Online-Anmeldung finden Sie unter www.technologietransfer-kongress.de .

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