Über eine Milliarde Euro Grünes Gold: Wie der Wirtschaftsfaktor Holz die Region prägt

Der Wirtschaftsraum Augsburg verfügt über die vorratsreichsten Wälder Mitteleuropas. In den Wäldern der Region steht Holz im Wert zwischen einer und zwei Milliarden Euro. Jedes Jahr kommen zudem rund 50-100 Millionen Euro hinzu. Ein großer Teil des Holzes wird in der Region weiterverarbeitet. Damit werden nicht nur rund 30.000 Arbeitsplätze in der Forst- und Holzbranche geschaffen, aus den Einnahmen lassen sich ferner auch wichtige soziale Aufgaben finanzieren. Beim A³ Wirtschaftsdialog „Grünes Gold“ besichtigten auf Einladung der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH und des Netzwerks Holzbau am 27. Juli rund 50 Teilnehmer aus Unternehmen, Politik und Verwaltung den Weg des Grünen Goldes aus dem Wald bis zum Sägewerk der Pfeifer Group – eines der ältesten und größten in Bayern und Europa.

Wem gehört der Wald?

In der Region befinden sich rund 19 % des Waldbesitzes in kommunaler Hand. „Waldbewirtschaftung ist auch eine kommunalpolitische Aufgabe, da lernt man als Politiker das nachhaltige Wirtschaften“, so Klaus Habermann, Bürgermeister der Stadt Aichach. Für die Kommunen ist dieser Waldbesitz bares Geld wert: 281 Hektar Wald besitzt die Stadt Aichach in einer Hospitalstiftung. Die jährlichen Erträge aus dem Wald in Höhe von rund 150.000 Euro fließen in die Finanzierung eines Seniorenheims mit 70 Betten, das nur dank dieser Einnahmen aus dem Wald wirtschaftlich betrieben werden kann.

„Leider steht dem guten Image von Holzprodukten in der Bevölkerung das negative Image der baumfällenden Holzindustrie gegenüber.“ Die Erfinder des Nachhaltigkeitskonzepts, das ja aus der Forstwirtschaft stammt, müssen urban geprägten Stadtbewohnern ihre Arbeit und ihren wesentlichen Beitrag zum heutigen Wald zunehmend erklären. „Wir schützen und nützen den Wald auf seiner ganzen Fläche, nicht nur in isolierten Naturschutzgebieten“, erläutert Meßmer.

Der Umbau bestehender Waldbestände ist im Klimawandel eine wichtige Aufgabe

Gerade für Nadelhölzer wie die Fichte sind höhere Temperaturen kritisch. Der ehemalige Leiter des Augsburger Forstamtes und Leiter der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen Hartmut Dauner setzt deswegen auch auf neue Baumarten wie die Douglasie. Diese stammt aus Nordamerika und weist gegenüber Wärme und Trockenheit eine enorme Duldungs- und Leistungsfähigkeit auf. „Vor der letzten Eiszeit wuchsen hier überall Douglasien“, erläutert Dauner den Teilnehmern der Waldexkursion. Nach dem Plan des Forstexperten soll es im zukünftigen Waldbestand wieder 10-20 % Douglasien geben. Mit seinen heutigen Pflanzungen prägt der Forstwirt den Waldbestand in den nächsten Einhundert Jahren und muss dabei extrem langfristig denken: „Der Holzbedarf unterliegt starken Moden: Heute ist helles Holz modern, alle wollen Buche und Ahorn. Aber heben Sie Ihre Eichenmöbel ruhig auf, das kommt irgendwann auch wieder. Wenn ich jetzt nur Buchen pflanze, gibt es in der Zukunft ein Problem!“

Wirtschaftsfaktor Holz – enormes Potential für den Wirtschaftsraum Augsburg

Das Holz aus dem Wald wird meist direkt in der Region weiterverarbeitet, z.B. zu Schnittholz, Presspanklötzen, Verpackungsholz und Pellets im Sägewerk der Pfeifer Group, ehemals Anton Heggenstaller, in Unterbernbach. Mit dem Holz, das hier verarbeitet wird, könnten für 25.000 Familien im Jahr Einfamilienhäuser gebaut werden. Die Energieproduktion aus den Sägeresten in der hauseigenen Biomasse-Anlage könnte die ganze Stadt Aichach mit Öko-Strom versorgen. Mit 248 Mitarbeitern ist das Unternehmen wichtigster Arbeitgeber in Unterbernbach, wie Bürgermeister Johann Lotterschmid betont. Mit seinen 930.000 Festmetern Einschnittkapazität im Jahr gehört das Sägewerk auch zu den größten in Bayern und Europa.

Nachhaltige Produktion mit Tradition und keinerlei Holzabfällen

Vollautomatisiert laufen die Stämme durch die verschiedenen Verarbeitungsschritte der Sägeanlage. Digitale Sensoren erkennen zudem automatisch die Dicke und passen den Sägeprozess entsprechend an. Das Besondere an dem Traditionsunternehmen, das mit seinen Vorgänger-Betrieben seit über 500 Jahren am Standort ansässig ist: „Alles war reinkommt, wird verarbeitet, Abfall gibt es bei uns nicht“, so Vertriebsleiter Leonhard Scherer. Um mehr aus den Holzresten zu machen, erfand das Unternehmen in den 70er Jahren ein einzigartiges, patentiertes Verfahren. Hierdurch werden aus Holzabfällen Palettenklötze, die Abstandshalter auf den Europaletten, hergestellt. Auf diesem Gebiet ist das Unternehmen bis heute europaweiter Marktführer.

Ein engagiertes Netzwerk für die Region A³

Im Netzwerk Holzbau im Wirtschaftsraum Augsburg arbeiten alle beteiligten Wertschöpfungsstufen der Region von der Forstseite über Sägewerke bis hin zum Holzhandel und Holzbau seit über 10 Jahren eng zusammen. „Mit Veranstaltungen wie diesem Wirtschaftsdialog wollen wir zeigen, wie der Rohstoff Holz vom Baum bis zum Bau zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beiträgt“, so Rudolf Reich, Innungsobermeister, Inhaber der Zimmerei Reich aus Aindling und Gründungsmitglied des Netzwerks. „Wir freuen uns, dass solche Veranstaltungen auf so großes Interesse stoßen“, freut sich auch Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH, die seit 10 Jahren auch die Geschäftsstelle des Netzwerks Holzbau führt.

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