Digitale Transformation: Praktiker und Wissenschaftler tauschen sich aus

Augsburg, 26.9.2018: Wissenschaftler der Universität Augsburg boten beim ersten Augsburger Marketingtag einen Einblick in die aktuelle Forschung und Trends rund ums Marketing. Allem voran das Thema Digitalisierung. Praktiker und Marktführer ließen erahnen, wie stark sich Unternehmen digitale Technologien schon zu Eigen machen, bzw. wo noch Entwicklungspotential besteht.

Now-economy

„Marketing bleibt Marketing“, so die erste Feststellung und These von Professor Michael Paul vom Lehrstuhl für Value-Based Marketing an der Uni Augsburg. Was trotz aller technischen Innovationen bleibt, ist die Kundenbedürfnisse verstehen und bedienen zu wollen. Was sich ändert, ist die Integration von Technik in alle Bereiche des Marketings. Das führt zu substantiellen Veränderungen inklusive eines Kulturwechsels.

Steve Jobs machte es vor, das Denken zentral vom Kunden aus und nicht mehr von Produkt. Dies könnte langfristig dazu führen, dass Marketing als solches verschwindet, da alles einfach davon durchdrungen ist. In vielen Unternehmen sind Marketingabteilungen oftmals reine Kommunikationsabteilungen; die Produkt-, Preis- und Distributionspolitik bleibt anderen Abteilungen zugeordnet. „Digitalisierung bietet hier generell die Chance, diese klassischen 4 Ps (product, place, price, promotion) in Unternehmen wieder stärker miteinander zu verbinden“, meinte Dr. Bauer, Vice President Marketing bei KUKA in der abschließenden Diskussionsrunde.

Kaufentscheidungen verlaufen nicht mehr linear, sondern als „customer decision journey“, was auch von mobilen Endgeräten getrieben ist. Mit dem digitalen Wandel geht zudem mehr Komplexität und Kontrollverslust einher, wie man an Social Media Krisen von Unternehmen sehen kann. Dr. Dennis Steininger, Geschäftsführer des Centers für Entrepreneurship in Augsburg, stellte Krisen-Reaktions-Strategien vor, wobei der wichtigste Aspekt die Geschwindigkeit, also sofortige Reaktion, sei. Das Fazit lautete, dass Social-Media-Monitoring notwendig sei, Mitarbeiter müssten für Firestorm-Reaktionen geschult sein und die Reaktion müsse abhängig vom Auslöser angewandt werden.

Die physische und digitale Welt verschmelzen, alles wird personalisiert und die „now-economy“ erwartet zusehends, das alle Wünsche umgehend erfüllt werden. Das Management muss agil sein, um der Ungeduld der Konsumenten zu begegnen. Die Mensch-Maschine ist im Kommen, KI ist auf dem Vormarsch, die Maschine-Maschine-Interaktion der nächste Schritt. Alleinstellungsmerkmale, die der Mensch im Vergleich zu smarten Algorithmen (noch) hat, sind seine Kreativität und Intuition. Diese Bereiche mehr zu fördern, sei auch Aufgabe der Universität.

eCommerce meets ‚heavy metal‘

Die fortschreitende Digitalisierung stellt vor allem traditionsreiche Mittelständler vor Herausforderungen. Digitalisierung wird zu einer fortwährenden Aufgabe für Unternehmen. Manroland hat bereits im Jahr 2008 das erste Mal online Produkte für Maschinen- und Ersatzteile auf einer Messe vorgestellt. Heute wird das eCommerce-Geschäft stetig professionalisiert. Seit August 2018 fusioniert zur manroland Goss web systems GmbH (ein Zusammenschluss für die globale Marktpräsenz im Rollendruckmarkt), werden verschiedene Unternehmensbereiche bereits durch eine maximale Kundenorientierung gesteuert. Das bestehende Shop-System wurde zum digitalen Marktplatz für den Maschinen- und Anlagenbau erweitert. manroland kooperiert auch mit Startups und der Universität, mit Studien wie „Strategien zur Akquise neuer Händler und Käufer“. manroland informiert seine Kunden, wie diese sich für das Online-Geschäft befähigen können. Vor allem Händler in der EU sind noch überwiegend analog unterwegs, hier besteht also noch Informationsbedarf. Die eigene digitale Plattform MARKET-X hat laut dem Vertriebsleiter Alexander Wachter das Potential zum weltweit wichtigsten B2B online-Portal für den Maschinen- und Anlagenbau zu werden.

OOH, hyper-reality und geofencing

56 Millionen Deutsche sind täglich OOH (out-of-home) unterwegs. Hier setzen die Produkte von WallDecaux an, dem französischen Weltmarktführer für (an der Zahl 53.595) digitale Werbebildschirme. Man hat herausgefunden, dass digital OOH deutlich besser funktioniert als analoge Flächen. Der Mensch sei täglich 13.000 Einflüssen ausgesetzt. Davon reagiert man auf sehr wenig, vor allem aber auf bewegte Bilder (aufgrund des menschlichen Fluchtreflexes). Fernsehsender haben sich bereits in den Markt eingekauft, Marktriesen wie Google und Netflix interessieren sich auch dafür. Ein Trendthema ist die großflächige digitale Inszenierung von Räumen, wie in Flughäfen. Die Einbindung von smart content und die dynamische Aussteuerung von social media bieten hierbei weitere Möglichkeiten. Via Apps erfolgt die intelligente Datenauswahl von Kunden, womit eine persönliche Ansprache erfolgen kann. Realtime-Daten werden auf digitalen Flächen eingespeist, wie bspw. Flugpreise oder der Schnapper des Tages einer Firma. Per Geofencing kann ein digitales Netz rund um den Werbeträger gespannt werden, und passende Push-Angebote können Passanten übermittelt werden.

Von der IT- zur Gesundheitskompetenz

Private Daten sollen geschützt werden und gleichzeitig geben Nutzer digitaler Medien ihre privaten Daten vorbehaltlos preis. Das ist ein Paradoxon, das auch wissenschaftlich weiter untersucht wird. Jenseits der Frage, welche Rolle hierbei politische Maßnahmen und die DSGVO spielen können, widmete sich die abschließende Keynote dem Thema des Persönlichkeitswandels im digitalen Zeitalter. „Vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer werden, ist im digitalen Zeitalter das A und O“, so Antony Fedrigotti, Motivations- und Persönlichkeitstrainer aus Kaltern. Viele technische Lösungen bieten auch viele Herausforderungen, bis hin zu gesundheitlichen Schäden (Kurzsichtigkeit, Bewegungsmangel, Kontaktarmut, etc.). Die Nutzer digitaler Medien könnten jedoch selbst entscheiden, auswählen und zensieren. Digitalisierung kann ein Segen sein, wenn man weiß was man selbst will. Hierfür sei eine Bewusstwerdung nötig. Er appellierte daran, wieder Zeit dafür zu finden, sich bewusst zu bewegen, bewusst den Geist zu entspannen, bewusst Beziehungen zu pflegen und die Reizüberflutung auch einfach einmal auszuschalten.

Nach dem Zeitalter der Informationstechnik (laut der zyklischen Wirtschaftsentwicklung von Kondratieff) liegt die nächste Basisinnovation im Gesundheitsbereich (Leo A. Nefiodow). Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und Volkswirtschaften wird demgemäß in Zukunft zunehmend von ihrer Gesundheitskompetenz bestimmt sein.

Die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH ist Mitglied im Marketingclub Augsburg e.V., der regelmäßig Infoveranstaltungen rund um das Thema Marketing, mit zahlreichen good-practice Beispielen von Unternehmen, durchführt.

(Informationen zu Weiterbildungen für Arbeit 4.0 siehe: Link)

Von |2018-09-27T11:21:50+00:0027. September 2018|A³-News, Informations- und Kommunikationstechnologien|

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