Interview mit Peter Wagner von Peter Wagner Immobilien GmbH

Als Berater für Immobilientransaktionen und Immobilienexperte ist Peter Wagner, geschäftsführender Gesellschafter der Peter Wagner Immobilien GmbH, längst über die Stadtgrenzen Augsburgs hinaus bekannt. Wir durften ihn zu Hause besuchen. Mit welchen Herausforderungen die Branche kämpft, an welchen Augsburger Immobilien sein Herz besonders hängt und wie seine erste eigene Wohnung aussah, verrät er im Intverview.

Herr Wagner, warum wurden Sie Immobilienexperte?

Ganz ehrlich? Aus Leidenschaft. Ursprünglich war geplant, dass ich die Augsburger Mineralölfirma Klein und Küchle meines Vaters übernehme, die er wiederum von seinem Vater übernommen hatte. Nach dem Abitur war ich deshalb eine Zeit lang in Kanada und bei BP in Hamburg tätig. Gleichzeitig erhielt ich über den Prokuristen meines Vaters die Chance, in die Immobilienbranche „hineinzuschnuppern“. Diese Arbeit hat mir so großen Spaß gemacht, dass ich mich schließlich gegen ein Studium und für eine Ausbildung als Immobilienkaufmann – damals ein völlig neues Berufsbild – entschieden habe.

War Ihr Vater von Ihrer Berufswahl nicht enttäuscht?

Überhaupt nicht. Er hat es verstanden. Der Markt hatte sich verändert und die Perspektiven fürs Geschäft ebenso. Ich arbeitete während meiner Ausbildung noch nebenher in der Firma, wann immer mein Vater mich brauchte. Anschließend war ich 10 Jahre lang für die Sparkasse tätig und bin noch heute dankbar für das, was ich dort lernen durfte. Dann kam die Wiedervereinigung. Ich arbeitete in Städten wie Dresden und Leipzig. Eine unfassbare Gelegenheit, wie es sie nur einmal alle fünf Generationen gibt.

Warum sind Sie nach Augsburg zurückgekehrt?

Weil ich hier geboren wurde und mir diese Stadt sehr am Herzen liegt. Ich hatte damals auch Jobangebote in größeren Immobilienfirmen in Frankfurt und München. Doch ich erfüllte meinen Traum lieber in Augsburg und machte mich in den Bereichen Gewerbe und Investment selbstständig.
Vor sechs Jahren kam dann ein weiterer Standort in München dazu. Das war aber weniger ein strategischer Schritt als vielmehr die Reaktion auf den Wunsch eines Netzwerkpartners, der sich einen Kooperationspartner für Immobilienberatung wünschte. Beide Städte sind sehr dynamisch und wir arbeiten mit professionellen Immobilienexperten zusammen. Dazu gehört auch die Firma Dierig, ein Familienunternehmen, das mich schon immer stark beeindruckt hat. Auch nach dem Niedergang der Textilindustrie hat sich Dierig am Markt gehalten. und noch wichtiger: Das Unternehmen steht nach wie vor zu seiner Verantwortung, insbesondere seinen Pensionären gegenüber. Dierig ist geprägt von einer besonderen Firmenkultur und ich bin sehr dankbar für diese neue Partnerschaft.

Welche Herausforderungen sehen Sie darin, wie sich der Immobilienmarkt derzeit entwickelt?

Wir sind hauptsächlich in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Einzelhandel tätig und entwickeln Objekte wirtschaftlich weiter. Dabei weisen wir unsere Kunden auch auf mögliche Risiken hin. Es ist beispielsweise nicht sinnvoll, Wohnungen zu bauen, die sich niemand leisten kann. In Augsburg sind wir vorerst an der Belastungsgrenze angekommen. Großprojekte wie die Universitätsklinik und der Augsburg Innovationspark bringen sicherlich eine neue Dynamik mit sich. Doch eine vorsichtige Marktanalyse ist trotzdem besser als ein Einbruch, der langfristig sehr schaden kann. Wir müssen aufpassen, dass die Preise nicht der Kaufkraft vorauslaufen.

Welche Immobilie in Augsburg ist die schönste, die Sie je vermittelt haben?

Das ist eine sehr schwere Frage. Ich gebe jedoch gerne zu, dass mir alle Immobilien, die wir in der Maximilianstraße betreuen durften, besonders viel bedeuten. in vielen dieser wunderschönen Gebäude kann man das Leben und die Historie förmlich riechen, wenn man zur Türe hineingeht.

Wenn Sie eine fremde Wohnung betreten, was fällt Ihnen in der Regel als Erstes auf?

Da gibt es eine Sache, die besonders wichtig ist: Man darf eine Immobilie nicht in eine andere Schublade stecken als die, aus der sie kommt. Mir macht es Spaß, das Potenzial aus einer Immobilie „herauszukitzeln“. Dafür muss man bisweilen Kompromisse finden, mit den Behören, dem Denkmalschutz, den Architekten und den Kreativen. All diese Beteiligten haben unterschiedliche Perspektiven und ich kann ihre Argumente verstehen. Wie man das Beste aus einer Immobilie herausholt, ohne ihren Charme zu zerstören – das sind meist die ersten Gedanken, die mir beim Betreten des Gebäudes kommen.

Sind Sie selbst handwerklich begabt?

Nein. Ich habe ein gewisses Verständnis davon, wie Dinge zusammenhängen. Das war’s dann aber auch schon. Wie man die aktuellen Bedürfnisse in eine sinnvolle Planung umsetzt, das ist der Bereich, in dem ich effizient bin.

Kaufen Sie Möbel oder Deko selbst – oder macht das Ihre Frau?

Wir beide gestalten unser Zuhause leidenschaftlich gerne. Und ich muss sagen, wir hatten viel Glück – auch mit dem Grundstück, das nahe der Westlichen Wäldern liegt und dennoch gut an die Stadt angebunden ist. Wie vieles im Leben kam auch dies anders als gedacht: Eigentlich hatte ich gar nicht vorgehabt, ein Haus zu bauen. Doch ich habe zur richtigen Zeit aus dem Bauch heraus eine Entscheidung getroffen, über die ich heute sehr froh bin.

Wenn Sie an Ihre erste eigene Wohnung denken, was fällt Ihnen da ein?

Sie befand sich in der Zeughausgasse, um genau zu sein: Im Gebäude der Firma meines Vaters. Als das Geschäft rückläufig war, wurden die Büros frei. Wir haben dort ein Bad eingebaut und da ich während meiner Ausbildung als Immobilienkaufmann gleichzeitig in der Firma meines Vaters arbeitete, habe ich dort gewohnt. Ich habe also quasi im Büro gelebt.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich bin heute 61 und werde mich wohl in den kommenden fünf Jahren nach und nach aus dem tagesoperativen Geschäft zurückziehen. Weniger weil ich nicht mehr arbeiten möchte, sondern vielmehr aus Verantwortung den Kunden gegenüber. Mein Sohn ist 13 und möchte gerne später in die Branche einsteigen. Da ich ein spätberufener Vater bin, kann ich die Firma leider nicht direkt an ihn weitergeben. Das habe ich ihm erklärt und er hat es verstanden. Anders wäre es auch nicht richtig gewesen. Man sollte mindestens vier, fünf Jahre etwas Neues gesehen haben, bevor man in die elterliche Firma wechselt. Doch vor allem brauchen junge Menschen Zeit, um herauszufinden, was sie im Leben wirklich machen wollen. Das ist sehr wichtig.

Titelbild des neuen ahochdrei Immobilienmagazin. Foto: Regio Augsburg Wirtschaft GmbH

Dieser Artikel ist in unserem Magazin ahochdrei Märkte. Werte. Chancen. erschienen. Diese Ausgabe mit dem Schwerpunkt Immobilien widmet sich dem aufstrebenden Immobilienmarkt der bayerischen Metropole Augsburg und seiner Region.

Von |2018-10-11T16:08:37+00:0011. Oktober 2018|A³-News, Allgemein, Fachkräfte, Immobilien, Regio-Blog|

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