Siedlungsdruck, Infrastruktur, Mobilität, Zukunft des Arbeitens – auf dem Metropolregionen-Dialog München am 11. Dezember beschäftigte sich die Immobilienwirtschaft sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung intensiv mit einem ganzen Reigen an Themen, die aktuell vielen Standorten unter den Nägeln brennen. Der geographische Bezugsrahmen war die Metropolregion München. Aus Augsburg war Michael Thiede, Geschäftsführer der RES GmbH zum Thema vertreten „lebst du schon oder pendelst du noch“?

Soll man mehr und dichter bauen und wie kommt der Druck aus dem Wohnungskessel? Die Antworten darauf fielen vielfältig aus. Diese möglichen Stellschrauben wurden genannt: Planungsrecht reformieren, Mindestdichte statt Höchsdichte festlegen, Immissionsschutzrecht ändern, Abstandsflächen reduzieren, die Genehmigungsdauer verkürzen und Stellplatzanforderungen reduzieren, bzw. im Bebauungsplan projektbezogen absenken.

Partizipation und Förderung der Identität

Insbesondere gelte es, die Bürger von Beginn an einzubinden. Wie dies gelingen kann, zeigte die Bürgerbeteiligung mit über 60% in Gauting. Die Vortragenden gaben Tipps, wie dies im Detail besser gelingen kann. Die GWG der Stadt München stellte das Vorhaben Freiham, also die Schaffung eines neuen Stadtteils vor, in welchem der sozialgeförderte Wohnraum und das sog. „Münchner Modell“ zum Tragen kommen. Bei der Planung steht der Inklusionsgedanke im Vordergrund sowie eine gute und flächensparende Grundrissplanung. Freiham soll als wachsender Stadtteil entwickelt werden und nicht zur Trabantenstadt werden.

Interkommunale Zusammenarbeit

Ein Bürgergutachten zur Entwicklung der Region  München zeigte, was sich die Bürger wünschen: gemäßigtes Wachstum, das sich polyzentral auf die Region München verteilt, weniger Autoverkehr und innovative Hochbauten. Nachhaltigkeit soll künftig als Leitbild dienen und der Ausbau des ÖPNV sei dringend erforderlich. Anstatt eines „Siedlungsbreis“ müssten die Identitäten in den Ballungsräumen erkennbar bleiben. In der Metropolregion stünden viele Projekte beispielhaft für die interkommunale Zusammenarbeit.

Herausforderung Mobilität

Die urbane Mobilität stellt viele Standorte in den kommenden Jahren vor Herausforderungen. Rasante Veränderungen sind zu erwarten, wenn es gilt, heutige Verkehrssysteme zu optimieren, die nicht zukunftstauglich sind. Dies betrifft Aspekte der Energie und Ressourcen, der Digitalisierung (Smart City, automatisiertes Fahren, Online-Handel, Lieferdienste), der Umweltbelastungen (Luft, Lärm, Flächenverbrauch) wie auch eine Anpassung an neue Lebensstile, Arbeits- und Produktionsweisen sowie Wertschöpfungsketten.

Pendlerströme und Immobilienmärkte

Aktuellen Studien zufolge pendeln immer mehr Menschen zur Arbeit und Pendlerdistanzen (inkl. der Fernpendler) nehmen zu. Dies hat Auswirkungen auf Wohnungs- und Investmentmärkte und es gibt immer mehr multilokale Haushalte, das Bauen im Umland boomt. Zugleich verändern sich Arbeitswelten, werden mobiler, und die Flexibilisierung von Zeit und Ort steigt. Der Sinn des Pendelns wird damit – evtl. zukünftig stärker – in Frage gestellt. Für Unternehmen, die Fachkräfte gewinnen und halten müssen, ist entscheidend, wie agil sie auf Veränderungen reagieren. „Rund 12.000 Pendler verlassen täglich Augsburg Richtung München. Zugleich hat Augsburg eine gute Standort-Performance. Wir werden bereits als Office-Standort wahrgenommen und entwickeln uns weiter. Der Check24-Effekt muss zunehmen, Firmen müssen sich stärker um die work-life Balance ihrer Mitarbeiter bemühen“, so Michael Thiede im Panel Mobilität. Das Unternehmen Check24.de hat sich in der Augsburger Innenstadt angesiedelt und setzt besonders auf hochqualifizierte Berufseinsteiger direkt aus der Universitätsstadt Augsburg.

Hintergrund:

Um die Attraktivität der Metropolregion München weiter zu stärken, engagieren sich Landkreise und Städte, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft im Verein Europäische Metropolregion München (EMM e.V.). Die Vereinsmitglieder greifen über Institutionsgrenzen hinweg Themen auf und initiieren gemeinsame Projekte. Der EMM e.V. bietet die Plattform für gezielte Dialoge und organisiert gemeinsame Veranstaltungen sowie internationale Auftritte. Zur Metropolregion München zählen 27 Landkreise und 6 kreisfreie Städte Südbayerns. Sie umfasst eine Gesamtfläche von ca. 26 000 km² – und ist damit fast so groß wie Belgien.