Digitalisierungsprozesse und künstliche Intelligenz fassen immer mehr auch in der Immobilienbranche Fuß. Anwendungsbereiche sind zum Beispiel die Datenanalyse, Standardisierung von Prozessen, vernetzte Gebäude, digital work oder Building Information Modeling (BIM). Die PATRIZIA Immobilien AG, Andreas Schmid Group oder einige Startups sind Beispiele für den regionalen Ausbau der Digitalisierung in der Immobilienbranche.

Selbstlernende Algorithmen

Die PATRIZIA Gruppe, mit Hauptsitz in Augsburg, hat sich als strategischer Lead-Investor an EVANA beteilig. Der Anbieter von Datenmanagement-Services und künstlicher Intelligenz ist auf die Immobilienbranche spezialisiert. Die EVANA-Technologie setzt selbstlernende Algorithmen ein, die große Datenvolumen verarbeiten und evaluieren können. Dadurch können die Unternehmens-, Immobilien- und Transaktionsdaten zielgenauer analysiert werden. Ein automatisiertes Reporting steigert signifikant die Effizienz. PATRIZIA wird so die unternehmenseigenen Managementprozesse digitalisieren. Qualität und Leistungen im Kundenservice werden ebenfalls gesteigert. Sämtliche Entscheidungsprozesse sollen so schneller und auf einer deutlich breiteren Informationsgrundlage stattfinden. PATRIZIA ist seit über 30 Jahren als Investment-Manager auf den europäischen Immobilienmärkten tätig und verwaltet Immobilienanlagen im Wert von knapp 40 Milliarden Euro.

Logistik von morgen

Auch die Andreas Schmid Group aus Gersthofen bei Augsburg startet digital durch und erschafft mit einem eigenen Lab kreative Räume, wobei sie mit Startups kooperiert. So werden Digitalisierungspotentiale und neue Geschäftsfelder für sich und interessierte Partner identifiziert und erschlossen. Das Lab soll insbesondere die Zukunftsfähigkeit und Marktpositionierung im digitalen Zeitalter sicherstellen. Eine klare Zielsetzung ist die Realisation von Produkten und Dienstleistungen, Schnittstellen und Plattformen für die Logistik. Dabei soll das Andreas Schmid Lab eine breite Palette an Ressourcen, Expertise aus dem Kerngeschäft und Netzwerken, innovative Arbeitsumgebung mit Co-Working Space und Kapital für ausgewählte Startups zur Verfügung stellen können.

Zudem wurde Ende Januar von der Honold LTS Logistik GmbH und dem Luftfahrtzulieferer Premium AEROTEC das neue Materialwirtschaftszentrum (MWZ) in Augsburg eröffnet. Das digital gesteuerte Materiallager ist auch eine Drehscheibe für alle Lieferungen von Premium AEROTEC in Augsburg. Mobile Datenterminals, digital gesteuerte Flurförderzeuge, mit QR-Codes versehene Teile und Lagerorte sorgen für einen transparenten, datengesteuerten Warenfluss. Das neue MWZ umfasst eines der leistungsstärksten automatischen Kleinteilelager Europas.

Mit Förderprojekten einen Schritt weiter

Die digitale Transformation in der Logistik wird im Wirtschaftsraum Augsburg unter anderem mit dem Förderprojekt TEAM 4.0 unterstützt. Dabei geht es beispielsweise auch um die Frage, wie sich die Anforderungen an die Logistik durch die Digitalisierung verändern. Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen Logistik sowie Supply-Chain-Management und Industrie 4.0. Ebenso wie die Personalführung in der digitalen Logistik und der datenbasierten Analyse von Geschäftsprozessen in Produktion und Logistik.

Auch im Bereich des Bauwesens passiert etwas. Die se commerce GmbH aus Gersthofen, ein Unternehmen der seele Gruppe, fördert mit Projektpartnern im Rahmen des Projekts digitalTWIN die Digitalisierung des Bauwesens. Dabei geht es um die Zusammenführung von Industrie 4.0 und Building Information Modelling. Bis 2021 sollen durch das Forschungsprojekt digitale Werkzeuge und Techniken weiterentwickelt werden, um Dienste, Prozesse und Abläufe entlang der Wertschöpfungskette des Bauwesens zu vernetzen und zu automatisieren.

Frische Ideen

Die junge Solvepack GmbH (2017 mit Sitz in Augsburg gegründet) bietet professionelle IT-Infrastrukturlösungen, unter anderem Collaboration Share Points für das Immobilienmanagement. Startups fördern mit ihren Angeboten ebenfalls den Digitalisierungsprozess in der Region. Planstack ist eine Planungs- und Verwaltungssoftware zur Kommunikation und Abwicklung der Sonderwünsche von Eigentümern im Baubereich. Das Unternehmen Not yet visible macht mit dem Einsatz von virtueller Realität zukünftige Planungsvorhaben sichtbar und schafft eine Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen Planern, Investoren und Bürgern – wie zum Beispiel für das Projekt Gaswerk der Stadtwerke Augsburg. Beide haben ihren Sitz im aiti-Park Augsburg.