Dr. Marcus Cieleback plädiert dafür, Strukturen und Entwicklungen in Augsburg für Investoren in den Fokus zu rücken.

Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Als Gründungsjahr gilt 15 vor Christus, als Gründervater der römische Kaiser Augustus. Die Geschichte der Stadt ist von den Fuggern geprägt. Ein Blick auf Augsburgs wirtschaftliche Entwicklung zeigt jedoch, dass die Stadt keineswegs nur im „goldenen“ 16. Jahrhundert, dem „Zeitalter der Fugger“, ein Wirtschaftszentrum von überregionaler, in einigen Branchen sogar internationaler Bedeutung war. Augsburg gelang es immer wieder, sich neu zu positionieren. Dabei wurde jede Blütezeit der Augsburger Wirtschaft von einer neuen Generation von Unternehmern getragen.

Aktuell scheint sich der Prozess, in dem Augsburg als Teil der Metropolregion München wieder ein eigenständiges Profil entwickelt, zu wiederholen – wenn auch in veränderter Form und Intensität. Aber Analysen zeigen, dass sich die positiven Rahmendaten der Stadt noch nicht in verstärkter Investmenttätigkeit institutioneller Investoren auf dem Immobilienmarkt niederschlagen.

Markt für Investoren noch schwer zu fassen

Die Tatsache, dass Augsburg im Einzugsbereich von München liegt und die positive Entwicklung der Fundamentalfaktoren wie Bevölkerungs- und Beschäftigtenwachstum sowie eine ansteigende Wirtschaftsleistung lassen die Fuggerstadt auf den ersten Blick zwar ebenso attraktiv für Immobilieninvestoren erscheinen wie andere deutsche Städte.

Dennoch ist der Augsburger Markt für Investoren schwer zu fassen. Im Bürosegment beispielsweise fehlt es an einem klassischen, zentralen Bürostandort, den Investoren erkennen und der für Investments interessant sein könnte. Auch das Wohnsegment stellt sich aufgrund eines Nachfrageüberhangs und einer ansteigenden Tendenz in der Bautätigkeit sehr attraktiv dar, aber es fehlt an einem Produktangebot, das den Anforderungen von institutionellen Investoren, wie Versicherungen und Pensionskassen, gerecht wird.

Potenziale im Einzelhandel

Mit Blick auf den Einzelhandel liegt Augsburg im Vergleich zu Städten wie Münster, Karlsruhe, Mannheim, Wiesbaden, Braunschweig oder Kiel im Mittelfeld, sowohl hinsichtlich der Kaufkraft wie auch dem Wachstum des Einzelhandelsumsatzes. Mit dem Stadtmarkt, einer weitläufigen Fußgängerzone und der City-Galerie birgt dieses Segment für die Fuggerstadt ein großes Potenzial.

Geografischen Vorteil besser nutzen

Der geografische Vorteil Augsburgs, den sich schon die Fugger für den Aufbau ihres Handelsunternehmens zunutze machten, zeigt sich in den letzten Jahren wieder zunehmend durch eine sehr hohe Dynamik im Logistikbereich in der Region Augsburg und es besteht an dieser Stelle durchaus weiteres Wachstumspotenzial für die kommenden Jahre. Beim Vergleich der Investmentmärkte zeigt sich, dass Augsburg, gemessen an seinen wirtschaftlichen und demografischen Daten, mit einem Transaktionsvolumen von weniger als 100 Millionen Euro (Stand: 2017) stark hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Ein Anstieg der Investitionen in Büroimmobilien macht aber auch deutlich, dass Investoren zunehmend auf die Stadt und ihre Potenziale aufmerksam werden.

Strukturen in den Fokus rücken

Es erfolgt zwar noch kein kontinuierlicher Handel, bei dem institutionelle Investoren sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite auftreten. Die Entwicklungen der letzten Jahre und die positiven Rahmendaten liefern hier allerdings eine Basis, auf der dies gelingen könnte. Entscheidend wird jedoch sein, den Investoren den Standort Augsburg mit seinen Potenzialen als Investitionsstandort weiter verständlich zu machen. Für Investoren müssen die Strukturen und die infrastrukturellen Entwicklungen in der Stadt und der Region stärker in den Fokus gerückt werden. Der jährlich erscheinende Immobilienmarktreport Wirtschaftsraum Augsburg ist ein wichtiger Baustein für dieses Ziel.

 

Gastbeitrag: Der Autor Dr. Marcus Cieleback ist Group Head of Research bei der Patrizia Immobilien AG.

Quelle/Medium: In Kooperation mit www.augsburger-allgemeine.de, AZ-Immobörse, Ausgabe 02.02.2019