Aus dem Programm des 8. Augsburger Technologietransfer-Kongresses

Interview mit Fritz Greitsch, geschäftsführender Gesellschafter der Solvepack GmbH und Referent auf dem 8. Augsburger Technologietransfer-Kongress, Nachmittagsprogramm: Session A2.

Worauf muss die Führungsebene achten, wenn ein Digitalisierungsprojekt im Unternehmen umgesetzt werden soll?

Wichtig ist, das Projekt nicht nur als ein IT-Thema zu werten, sondern vor allem die Mitarbeiter mitzunehmen. Für Mitarbeiter sind die technischen Neuerungen und veränderten Arbeitsabläufe grundsätzlich schon eine Herausforderung und verlangen eine Umstellung in den Köpfen.

Hier kommt es darauf an, das Potential transparent darzustellen: Wie kann ich administrative, sich immer wiederholende Tätigkeiten optimieren, um dann mehr Zeit für die wichtigeren Arbeiten zu haben? So werden die Mitarbeiter die Umstellung positiv empfinden und sich mental besser auf die Veränderungen einstellen können.

Wie bindet man dabei am besten die Mitarbeiter dabei ein?

Das Thema Coaching ist bei uns ganz oben auf der Liste. Wir favorisieren Pre- und Post-Coachings.

Die Mitarbeiter sollten zu jedem Projekt-Teilabschnitt geschult werden. Leider verwenden viele Unternehmen die Budgets zur Digitalisierung primär für IT-Kosten wie Lizenzen oder Entwicklung und vergessen die Schulungskosten in angemessenen Rahmen einzuplanen. Die Budgetierung von Schulungskosten ist genauso wichtig und sollte in einem Gesamtbudget ca. 20% betragen. Denn, nehmen die Mitarbeiter die neuen Arbeitsabläufe nicht an und bleiben sie in den vorherigen Arbeitsabläufen „gefangen“, kann der Digitalisierungsprozess nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Darüber hinaus sollten Mitarbeiter die Möglichkeit haben, in einem Workshop während des Umstellungsprozesses, regelmäßig Rückmeldungen zu geben, um z. B. mögliche Frustrationen zeitnah zu verhindern.

Sie bieten gemeinsam mit den Forscher/innen der Fraunhofer Projektgruppe Wirtschaftsinformatik eine Weiterbildung zum Thema Technostress an. Haben Sie mit dem Phänomen Technostress bei Mitarbeitern auch schon Erfahrungen gemacht und wie gehen Sie damit um?

Mit dem beschriebenen Technostress haben wir auch Erfahrungen gemacht. In unseren Digitalisierungsprojekten haben manche Mitarbeiter Berührungsängste mit den neuen Technologien. Die Coaching-Möglichkeiten und Schulungen sind heutzutage sehr vielfältig. Es gibt kleine „How to“-Anleitungen oder kleine Videos, die als Gedankenstütze helfen. Wichtig ist, den Mitarbeitern mit gezielten Übungen die Angst bzw. die Unsicherheit zu nehmen. Das setzen wir auch ganz bewusst in unseren Projekten ein. Oft werden manuelle Prozesse automatisiert, die von Mitarbeitern als Rationalisierungsmaßnahme empfunden werden. Diese Entwicklungen sind heutzutage unausweichlich und gehören zur Weiterentwicklung im Business dazu. Das erfordert eine gewisse Umstellung in der Arbeitsweise. Im Gegensatz zu früher als die Arbeitsprozesse „flach-synchron“, also „eins nach dem anderen“ abgearbeitet wurden, werden diese nun aufgrund der Digitalisierung zunehmend asynchron, parallel und teils unabhängig ausgeführt. Diese strukturelle Herausforderung an die gewohnte Arbeitsweise erfordert eine mentale Adaption, um nicht zu Stress wegen Überforderung zu führen. Eine Analyse der jeweiligen Arbeitsprozesse zeigt dem Mitarbeiter wie man durch die Digitalisierung bzw. Automatisierung Zeit gewinnen kann, um interessante Arbeiten durchzuführen. Teambesprechungen mit genügend Zeit Fragen zu stellen, sind extrem wichtig.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei schon mit Ihren Kunden gemacht?

Man kann in diesen Projekten nicht einfach den „Schalter umlegen“ und es läuft, sondern es ist ein Prozess der kleinen Schritte, der zum Ziel führt. Aufgrund heterogener IT-Landschaften hakt es auch öfters einmal bei der Umstellung der IT. Die neueren Software Versionen des Cloud Computing setzen bestimmte IT Grundlagen voraus, die erfordern, dass Systeme aufeinander abgestimmt werden müssen. Bei der Digitalisierung benötigt man einen langen Atem: Es ist eher ein Langstreckenlauf als ein Sprint, aber die Resultate danach lassen sich sehen. Man hat wieder Zeit für die wichtigen Dinge im Business.

Infos & Anmeldung zum 8. Technologietransfer-Kongress

Halten Sie diesen Termin in Ihrem Kalender fest: 26. März 2019 im Technologiezentrum im Augsburg Innovationspark

Die Kongress-Webseite mit dem Programm und der Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie hier: www.technologietransfer-kongress.de

Ihre Ansprechpartnerin bei der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH:

Stefanie Haug
Telefon: 0821 450 10 235
E-Mail: stefanie.haug@region-A3.com