Aus dem Programm des 8. Augsburger Technologietransfer-Kongresses: Interview mit Prof. Dr. Armin Grunwald, Leiter des ITAS am Karlsruher Institut für Technologie 

Armin Grunwald ist Keynotespeaker beim Augsburger Technologietransfer-Kongress berät auch den Deutschen Bundestag zu Fragen der Technik-Ethik. (Keynote II: Künstliche Intelligenz – Wo bleibt der Mensch?)

Sehr geehrter Herr Grunwald, Sie sind Leiter des Instituts für Technikfolgeabschätzungen und Systemanalyse am KIT. Lassen sich die Folgen von neuen Technologien für Gesellschaft und Wirtschaft überhaupt vorhersehen und wenn ja, wie gehen Sie da vor? Welche Kriterien sind entscheidend?

Das geht in sehr unterschiedlicher Weise. Bei Systemen mit großer Stabilität wie der Energieversorgung erheblich besser als bei komplett neuen Entwicklungen wie gegenwärtig in der Künstlichen Intelligenz. Aber überall gilt: wir können nur mögliche oder plausible, manchmal wahrscheinliche Zukünfte voraussehen, niemals „die“ Zukunft. Denn die entsteht ja erst, indem wir sie machen.

Die Digitalisierung ist nicht die erste technische Revolution in der Geschichte der Menschheit. Auf welche Erfahrungen sollten wir nun zurückblicken und welche „lessons learned“ helfen uns im Umgang mit dem digitalen Wandel? Was ist bei der vierten Industriellen Revolution anders als zuvor?

Transformationen gab es schon immer, und auch schnelle. So ist etwa das Ruhrgebiet in wenigen Jahrzehnten von einer bäuerlichen Landschaft in die damals am stärksten industrialisierte Gegend der Welt katapultiert worden. Neu an der Digitalisierung ist vor allem ihre globale Ausprägung zusammen mit der Beschleunigung. Lernen können wir, dass es immer Gewinner und Verlierer gibt, und dass Stabilität und Frieden auch damit zusammenhängen, welche Perspektiven den Verlierern eröffnet werden.

Nicht alle Menschen sind technikbegeistert und unterstützen die neuen Entwicklungen. Inwiefern spielen diese Menschen eine Rolle für den Umgang mit neuen Technologien und die Weiterentwicklung dieser?

Kritiker und Skeptiker sind absolut wichtig, um naive Technikgläubigkeit zu verhindern. Das Weltwirtschaftsforum hat die Tatsache, dass Deutschland in einer Untersuchung Innovationsweltmeister wurde, damit erklärt, dass die Bürger anspruchsvoll und kritisch sind. Dadurch fordern sie besonders gute Innovationen ein, die dann auch anderswo erfolgreich sind. Kritik ist eine wertvolle Ressource – jedenfalls solange sie nicht zur Blockade wird.

Werden diese Menschen künftig „abgehängt“, gesellschaftlich wie im Berufsleben? Können oder sollen Unternehmen oder andere Organisationen oder Einrichtungen damit umgehen?

Verlierer der Digitalisierung gibt es seit Jahrzehnten und wird es weiter geben. Es kommt darauf an, diese nicht abzuhängen, sondern ihnen vorausschauend neue Perspektiven zu eröffnen. Das ist vor allem eine politische und gesellschaftliche Aufgabe.

Brauchen Unternehmen künftig einen „Digitalisierungsbeauftragten“, der ähnlich dem „Datenschutzbeauftragten“ für Standards und Normen sorgt und sich auch um die Verträglichkeit gegenüber den Mitarbeitern kümmert?

Auf jeden Fall braucht es eine Kultur der Digitalisierung, ob nun umgesetzt durch Beauftragte, durch Ethikkommissionen oder durch verantwortliches Handeln der Entscheidungsträger. Das fängt bei den Erwartungen an dauerhafte Verfügbarkeit rund um die Uhr an, betrifft den Umgang mit Daten und reicht bis zu den Zukunftsperspektiven der unterschiedlichen Gruppen von Mitarbeitern.

Wer wird künftig Verantwortung tragen – der Mensch oder die Künstliche Intelligenz? Was zeigt uns schon heute das Autonome Fahren in Bezug auf diese Frage?

KI kann keine Verantwortung tragen, sonst müsste man sie im Falle des Falles vor Gericht oder sogar ins Gefängnis bringen. Das ist ein schöner Stoff für die Science Fiction, taugt aber nicht für die Realität. Wenn KI-Systeme, etwa autonome Autos, etwas falsch machen, tragen nicht sie die Verantwortung, sondern die Menschen und Institutionen, die sie so gemacht haben wie sie sind. Hinter jedem Algorithmus stehen Menschen, die ihn gemacht haben, Manager, die Richtungsentscheidungen getroffen haben, vielleicht Aufsichtsbehörden, die Rahmenbedingungen vorgegeben haben usw. Der Mensch bleibt in der Verantwortung – allerdings in anders verteilter Form.

 

Info & Anmeldung zum 8. Technologietransfer-Kongress am 26. März 2019 im Technologiezentrum / Augsburg Innovationspark

Die Kongress-Webseite mit dem Programm und der Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie hier: www.technologietransfer-kongress.de. Verfolgen Sie den Kongresstag auch unter #attk19!

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