Aus dem Programm des 8. Augsburger Technologietransfer-Kongresses: Interview mit Dr.-Ing. Florian Karl, BSH.

Florian Karl Bild: BSH Hausgeräte GmbH

Bild: Dr.-Ing. Florian Karl, BSH Hausgeräte GmbH

Guten Tag Herr Karl, Sie sind Head of Industrie 4.0 bei der BSH Hausgeräte GmbH. Was ist bei Ihrem Job wichtiger, technisches Know-how oder Changemanagement?

Das ist in der Tat eine sehr gute Frage. Technisches Verständnis ist sicherlich von Vorteil, um Chancen zu erkennen, Handlungsfelder abzuleiten und entsprechende Lösungen zu erarbeiten. Bei der Umsetzung und dem Treiben des Themas innerhalb der Organisation ist Changemanagement ein sehr wichtiger Bestandteil, um Chancen durch i4.0 zu erklären sowie den Wandlungsprozess durch Digitalisierung zu begleiten.

Wie viel Struktur und Vorplanung benötigt die Digitalisierung Ihrer Produktion und wie viel Anteil nimmt „Ausprobieren“ ein?

Das sind beides wichtige Elemente. Einerseits haben wir eine Strategie erarbeitet, welche Themenfelder wir mit welcher Priorität angehen wollen und natürlich auch bereits gestartet haben. Wichtig dabei ist es dann, schnelle Pilotprojekte in einzelnen Fabriken zu definieren, um zu lernen und den Mehrwert zu erheben. Ist dieser positiv, ist der Pilot in einen globalen Standard zu überführen, der dann auch anderen Fabriken zur Verfügung steht. Neben dieser Erarbeitung von skalierbaren Standardlösungen ist die Vernetzung unserer Anlagen eine wichtige Basis zum schnellen Ausrollen.

Inwiefern beziehen Sie bei der digitalisierten Produktion auch Ihre Zulieferer ein („Supply Chain Management“)?

Wir betrachten bei i4.0 nicht ausschließlich die Fertigung innerhalb der BSH. Wir haben das Programm über die gesamte Wertschöpfungskette definiert und beziehen in einigen Projekten auch Lieferanten mit ein.

Was ist bei der BSH aktuell der nächste wichtige Schritt in der Digitalisierung? Inwiefern beziehen Sie Ihre Mitarbeiter mit ein?

Das wichtigste Thema aktuell ist das oben bereits angesprochene Changemanagement mit Informationen über das Programm, aber auch mit dem Entwerfen entsprechender Qualifizierungsprogramme, um unsere Kollegen bei dem Wandel durch die Digitalisierung zu unterstützen. Außerdem ist es bei weltweit über 40 Fabriken wichtig ein gesundes Mittelmaß zwischen zentralen Pilotprojekten und lokalen Projekten zu finden. Es hat beides seine Berechtigung, wobei hier auch der offene Informationsaustausch gegeben sein muss.

Haben Sie das Gefühl, dass in Bezug auf Digitalisierung Standards oder andere Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter nötig sind? Wer sollte sich Ihrer Meinung nach um eine Regulierung, beispielsweise bei der Mensch-Maschine-Kollaboration (MRK) kümmern, Unternehmen oder Politik?

Bei all diesen Maßnahmen sind die Einhaltung bereits bestehender Vorschriften eine zwingende Voraussetzung (z.B. die CE-Zertifizierung von Anlagen), wobei man die Anwendung dieser auf die neuen Lösungen zunächst erst einmal erlernen muss (z.B. Zertifizierung eines Arbeitsplatzes mit kollaborierenden Robotern). Die Mitarbeiter, bzw. in Deutschland der Betriebsrat, sind dabei zwingend einzubeziehen, um die Chancen durch i4.0 aufzuzeigen und zu erläutern, dass die Lösungen der Prozessverbesserung dient (z.B. Ergonomie) und nicht der Mitarbeiterüberwachung. Dabei ist die Digitalisierung eine große Chance, um an einem Hochlohnstandort weiterhin wirtschaftlich zu fertigen und somit Arbeitsplätze zu erhalten.

Im öffentlichen Diskurs ist oft die Rede, dass deutsche Unternehmen hinterher sind im Digitalen Wandel. Stimmt das aus Ihrer Sicht? Wo sehen Sie die größten Potentiale in Zukunft?

Ich denke, dass hiermit gemeint ist, dass digitale Lösungen einerseits in Unternehmen immer mehr eingesetzt werden (z.B. Monitore in der Fertigung, um Mitarbeiter zu unterstützen) und andererseits Unternehmen immer mehr vernetzbare Produkte auf den Markt bringen, um Konsumenten einen Mehrwert zu bieten (z.B. Home Connect Produkte der BSH). Ich teile die Sicht, dass deutsche Unternehmen beim digitalen Wandel hinterher sind nicht und denke, dass deutsche Unternehmen auf einem guten Weg sind. Wir müssen uns dabei dem internationalen Wettbewerb stellen und diesen im Blick haben. Es gibt durch die Digitalisierung große Potenziale, um bspw. neue Lösungen anbieten zu können sowie sich durch die einhergehende Transparenz kontinuierlich verbessern zu können.

Info & Anmeldung zum 8. Technologietransfer-Kongress am 26. März 2019 im Technologiezentrum / Augsburg Innovationspark

Die Kongress-Webseite mit dem Programm und der Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie hier: www.technologietransfer-kongress.de. Verfolgen Sie den Kongresstag auch unter #attk19!

Ihre Ansprechpartnerin bei der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH:

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