Prof. Dr. Axel Tuma arbeitet seit 20 Jahren als Wirtschaftsingenieur an der Konzeption von betrieblichen Umweltinformations- und Kreislaufwirtschaftssystemen. Der Fachmann für Produktion und Supply Chain Management ist gefragter Partner in zahlreichen Forschungs- und Praxisprojekten. Für Unternehmen arbeitet er beispielsweise an Konzepten für nachhaltige Ressourcenstrategien, ressourcenorientierte ERP-Systeme und Verfahren zur Umsetzung energieeffizienter Produktionsverfahren.

Seit 2001 ist er Professor an der Universität Augsburg, zuerst als Inhaber des Georg-Haindl-Lehrstuhls für Umweltmanagements. Seit 2007 hat er den Lehrstuhl für Production & Supply Chain Management (PSCM) der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät inne. Gemeinsam mit Kollegen forscht er am Materials Resource Management Institute (MRM) an der Realisierung nachhaltiger Wertschöpfungssysteme. Als ehemaliger Vize-Präsident der Universität Augsburg und Gründer des Resource Lab treibt er außerdem seit vielen Jahren die Ressourceneffizienz- und Umweltforschung der Universität Augsburg wesentlich voran.

Herr Prof. Tuma, Sie optimieren Produktionsprozesse und Materialströme. Wie können Sie mit Ihrer Expertise Ressourceneffizienz fördern?

Schon seit meiner Promotion beschäftige ich mich intensiv mit der Gestaltung nachhaltiger Produktionssysteme. Ziel meiner Arbeit ist immer eine Produktion mit möglichst wenig Emissionen und möglichst geringem Ressourceneinsatz. Ich versuche dabei nicht nur die „klassische“ Supply Chain zu optimieren, sondern strebe nach Lösungen für geschlossene Kreisläufe, sogenannte „Closed-loops“. Dabei geht es auch immer um das intelligente Management von Produktionsprozessen. Ein Beispiel: Wenn Sie in einer Transferstraße Roboter in dem Moment, in dem man sie nicht benötigt, abschalten würden, dann könnte man theoretisch 80 % an Energie einsparen. Die Umsetzung eines entsprechenden Produktionsprozesses ist jedoch von einer sehr präzisen Planung abhängig. So eine Aufgabe würde in unseren Bereich fallen. Als Betriebswirte nehmen wir keine technischen Änderungen an Systemen vor, sondern optimieren Systemabläufe um die Effizienz zu erhöhen. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn häufig sind technische Probleme schneller im Bewusstsein, während die Optimierungspotenziale in der Organisation meist vernachlässigt werden.

Wo sehen Sie für Unternehmen die größten Ansatzpunkte bei der Steigerung der Ressourceneffizienz?

Wie gesagt, oft können über organisatorische Verbesserungen und die Gestaltung des Produktionsprozesses große Ressourceneffizienzpotenziale erschlossen werden. Bei einem unserer Projekte stellte sich beispielsweise die Frage: Wie könnte man es schaffen, durch organisatorische Maßnahmen auf den Energieverbrauch in einem Unternehmen einzuwirken? Über die Produktionsplanung haben wir den Energiebedarf möglichst konstant gehalten, um so eine gleichmäßigere und damit energieeffizientere Fahrweise der Energiebereitstellungsaggregate zu erreichen. Durch ein geschicktes Ausnutzen der Freiheitsgrade die während der Produktionsplanung entstehen, haben wir eine Energieeinsparung von 10–15 % erreicht und das durch organisatorische Umstrukturierungen. Diese Idee der energieorientierten Planung lässt sich auf ein sehr breites Spektrum verschiedenster Produktionsanlagen übertragen. In einem anderen Fall haben wir ein organisatorisches System entwickelt, so dass die bestehende Anlage flexibler und gleichzeitig fehlerfreier zwischen verschiedenen Produktvarianten wechseln konnte. Dies reduzierte den Ausschuss und damit den Energie- und Materialeinsatz beträchtlich.

Mit welchen Fragestellungen könnten sich Unternehmen an Sie wenden?

Wir unterstützen Unternehmen in allen Fragen des Supply Chain Managements, z.B. bei der strategischen Netzwerk- und Standortplanung, der Distributionsplanung und des Bestandsmanagements sowie bei der Transportplanung. Im Bereich Produktionsmanagement haben wir zahlreiche Projekte in den Bereichen Produktionsprogrammplanung, Losgrößenplanung sowie der Produktionsplanung und -steuerung durchgeführt. Im Bereich Ressourcenmanagement werden vor allem Themen wie ReUse, Remanufacturing und Recycling sowie Reverse Logistics adressiert.

„Eines meiner Themen: Wie können Rückhol- und Aufbereitungssysteme organisiert werden?“

Vielleicht noch einige Worte zu Reverse Logistics: Viele Firmen stehen vor der Frage: Lohnt sich eine Produktrücknahme überhaupt für sie? Sind ReUse- oder Re-Manufacturing-Systeme eine wirtschaftlich interessante Möglichkeit? Oder bieten sich Potenziale für ganz neue Geschäftsmodelle? Und wenn ja, wie sieht eine effiziente Struktur für Rücknahme- und Aufbereitungssysteme aus?

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