Einen Blick in die Zukunft werfen konnten die rund 330 Teilnehmer beim 8. Augsburger Technologietransfer-Kongress im Technologiezentrum Augsburg: Über 50 Referenten und rund 30 Aussteller und Partner zeigten eindrucksvoll die neuesten technologischen Entwicklungen aus der Augsburger Forschungslandschaft. Die große Leistungsschau zum Technologietransfer der acht beteiligten Forschungseinrichtungen im TEA-Netzwerk brach damit alle Rekorde.

Sieht so die Zukunft der Pflege aus? Mit großen Augen sucht der Roboter Pepper den Blickkontakt und merkt sich das Gesicht seines Gegenübers. So könnte er in Zukunft Senioren in einem Seniorenheim persönlich betreuen, wenn es nach den Entwicklern aus dem Institut für Systems und Software Engineering an der Universität Augsburg geht. Auch dank neuronaler Netze sind Software-Algorithmen inzwischen in der Lage, selbstständig zu lernen und sich permanent zu optimieren, wie das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt vorstellte. „Wo bleibt der Mensch?“ war deshalb die brisante Frage, die Prof. Dr. Armin Grunwald angesichts dieser Entwicklungen zum Auftakt des Technologietransfer-Kongresses stellte.

Die menschliche Angst, durch immer bessere Technik überflüssig zu werden, konnte er aber zumindest teilweise beruhigen: „Technik ist immer besser als der Mensch, sonst bräuchten wir sie ja gar nicht. Schon der Spaten ist besser zum Graben geeignet als die menschliche Hand.“ Aber auch wenn ein Algorithmus nun den Weltmeister im „Go“ schlagen kann, kann er zum Beispiel nicht Schwimmen. Menschen sind keine Algorithmen auf zwei Beinen, sondern Multifunktionswesen im Gegensatz zu den in der Regel höchst spezialisierten künstlichen Intelligenzen. „Machen Menschen nur noch die Arbeiten, für die Roboter feinmotorisch noch nicht gut genug sind, und sobald die Roboter-Entwickler das auch noch hingekriegt haben, werden sie entlassen?“ fragte dagegen provokativ Prof. Henner Gimpel von der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT. Wie Technik Menschen auch unterstützen kann, zeigten die mobilen interaktiven Roboter des Fraunhofer IGCV oder die Cobots, die Arbeitern in der Montage assistieren können.

Vorsicht geboten ist, wenn künstliche Intelligenzen auf Basis von Big Data eigenständig Entscheidungen treffen sollen. Bei sich ständig selbst optimierenden Algorithmen, die immense Datenmengen analysieren, ist es schwierig, deren Ergebnisse noch nachzuvollziehen und zu prüfen. „Das kann auch ein Rückschritt in die Antike sein“, so Prof. Grunwald. „Niemand hätte vom Orakel von Delphi gefordert, dass dessen Aussage nachvollziehbar ist. Aber wollen wir das heute wieder?“

Und noch einen entscheidenden Vorteil haben Menschen, nach wie vor: Künstliche Intelligenz kann nur vergangene Daten analysieren und in die Zukunft interpolieren. „Nur Menschen haben die Fähigkeit, Zukunft auch ganz anders zu denken, Utopien zu entwickeln, visionär und innovativ zu sein“, so Grunwald. Hierfür lieferte der 8. Augsburger Technologietransfer-Kongress selbst eindrucksvolle Belege. Künstliche Intelligenz, die ganz neue Materialien für den Leichtbau der Zukunft entwickelt oder neue innovative Verfahren wie den 3-D-Druck erfindet, wie sie im Kongress präsentiert wurden, dürfte noch lange Science Fiction bleiben.

Der Kongress zeigt wie die Zusammenarbeit mehrerer Institute, Unternehmen aber auch verschiedener Fachrichtungen innovative Produkte entstehen lässt. Beispiele wie das Projekt LogiPICs wurden auch bei den Führungen durch die Begleitausstellung vorgestellt. Hier entwickelten die Fachbereiche Wirtschaft und Gestaltung der Hochschule Augsburg gemeinsam mit regionalen Logistikunternehmen eine Bildsprache, die alle Mitarbeiter, gleich mit welchem sprachlichen oder kulturellen Hintergrund, schnell verstehen können. Der Veranstaltungsort, das Technologiezentrum Augsburg, ist eine Plattform für Open Innovation und um Kooperationsprojekte durchzuführen. Dies zeigt unter anderem das Projekt CosiMo zur Erforschung der seriellen Herstellung von Großbauteilen aus Carbon- und Faserverbundstoffen. Hier haben sich Unternehmen aus Automotive und Luft- und Raumfahrt mit regionalen Forschungsinstituten wie dem Institut für Textiltechnik Augsburg zusammengetan.

Mit dem Augsburg Innovationspark und dem Netzwerk der Transfer-Einrichtungen Augsburg, dessen technologische Zukunftsprojekte den Kongressbesuchern in neun thematischen Führungen und sechs Vortragssessions präsentiert wurden, ist der Wirtschaftsraum Augsburg eindeutig bestens aufgestellt für die menschgemachten Innovationen der Zukunft, betonten die zweite Bürgermeisterin Eva Weber und Wolfgang Hehl, Geschäftsführer der Augsburg Innovationspark GmbH in ihren Grußworten zur Eröffnung. Die Initiatoren des Technologietransfer-Kongresses, das TEA-Netzwerk der regionalen Forschungseinrichtungen und die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH, zeigten sich ebenfalls höchst zufrieden. „Wir laden gerade auch die kleinen und mittleren Unternehmen ein, diese hervorragenden Angebote zu nutzen“, so Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH. „Die Forschungseinrichtungen der Region und das TEA-Netzwerk stehen für Kooperationsprojekte bereit.“

Impressionen vom 8. Augsburger Technologietransfer-Kongress (Alle Bilder: Regio Augsburg Wirtschaft GmbH/Andreas Dippelhofer). Fotos in Druckauflösung können Sie unter presse@region-A3.com anfordern.

Zum TEA-Netzwerk

Das Netzwerk der Transfer-Einrichtungen Augsburg „TEA“ bündelt Anlaufstellen für Unternehmen an den Forschungseinrichtungen. Ziel von TEA ist die Vernetzung der Transferstellen und die Förderung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft um den Standort Augsburg. Weitere Informationen zum Netzwerk finden Sie unter: www.tea-transfer.de

Partner des TEA-Netzwerks sind die Transfer-Einrichtungen und Anwenderzentren im Wirtschaftsraum Augsburg:

  • das Anwenderzentrum Material- und Umweltforschung der Universität Augsburg (AMU)
  • das FZG Projekthaus (FZG Augsburg) der Technischen Universität München
  • die Hochschule Augsburg für angewandte Wissenschaften
  • das Institut für Materials Resource Management (MRM) der Universität Augsburg
  • das Zentrum für Leichtbau Produktionstechnologie (ZLP) Augsburg des Deutsches Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR)
  • die Fraunhofer Einrichtung für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik (IGCV)
  • das Institut für Software & Systems Engineering der Universität Augsburg
  • die Fraunhofer FIT – Projektgruppe Wirtschaftsinformatik und Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement (FIM) der Universität Augsburg
  • sowie die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH, bei der die TEA-Zentrale angesiedelt ist.