Intelligente Stromzähler – Experten sprechen auch von der „Smart Metering“-Technologie (SMT) – gelten als wichtiger Baustein der Energiewende. Um ihre Vorteile auszuspielen, müssen sie sich jedoch möglichst flächendeckend durchsetzen. Wissenschaftler der Universität Augsburg haben nun untersucht, welche Faktoren die Einstellung der Deutschen zur SMT beeinflussen.

Schwankende Nachfrage nach Strom im Tagesverlauf

Die Smart Metering-Technologie verspricht eine Lösung für ein drängendes Problem: Die Nachfrage nach Strom schwankt ständig. Wenn etwa mittags in deutschen Küchen das Essen zubereitet wird, schnellt der Verbrauch in die Höhe. In den Nachtstunden ist er dagegen deutlich geringer. Die Energiewende verschärft die Situation noch: Die Sonne ist in unseren Breiten chronisch unzuverlässig; beim Wind sieht es nicht viel besser aus. Diese Diskrepanz zwischen Stromangebot und Nachfrage gefährdet die Stabilität der Netze. Sie zwingt die Energieversorger zudem dazu, teure Kraftwerksreserven vorzuhalten, um bei Bedarf das Stromangebot zu erhöhen.

Wie können intelligente Stromzähler helfen?

Die Smart Metering-Technologie geht genau den umgekehrten Weg: Sie erlaubt es, die Nachfrage an das augenblickliche Angebot anzupassen. Dazu sind die Haushaltsgeräte mit einer Schnittstelle ausgerüstet. Über diese erhalten sie vom Zähler Informationen über die verfügbare Energiemenge. So kann die Gefriertruhe „auf Vorrat“ kühlen, wenn gerade viel Strom vorhanden ist, und ihre Temperatur weit unter den eigentlich erforderlichen Wert absenken. Umgekehrt kann das Elektroauto den Ladevorgang um ein paar Stunden verschieben, wenn Strom knapp ist. Zudem geben die Zähler einen detaillierteren Einblick in den Verbrauch. Sie erlauben es den Nutzern dadurch zum Beispiel, Stromfresser zu identifizieren.

Uni Augsburg: Studie zur Akzeptanz nachhaltiger digitaler Technologien auf dem Strommarkt

Der Einbau intelligenter Zähler ist hierzulande für Großverbraucher heute schon verpflichtend, nicht aber für normale Haushalte. Freiwillig legen sich bislang aber nur wenige Nutzer einen „Smart Meter“ zu. „Wir haben untersucht, welche Argumente bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen“, erklärt Prof. Dr. Daniel Veit vom Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Augsburg. Um mögliche Faktoren zu identifizieren, interviewten die Wissenschaftler zunächst Experten in diesem Bereich, vor allem Beschäftigte von Energieversorgern. Mit Hilfe dieser Ergebnisse konzipierten sie ein Kausalmodell, das sie im Rahmen einer repräsentativen Online-Umfrage mit 930 Verbrauchern aus Deutschland validierten. Die Teilnehmenden der Befragung sollten unter anderem angeben, ob sie sich vorstellen könnten, in Zukunft zur Smart Metering-Technologie zu wechseln und welche Faktoren hier maßgeblich wären. Außerdem sollten sie die Gründe für ihre Entscheidung nennen.

Wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Energienutzung

Ergebnis: Finanzielle Motive – also etwa mögliche Einsparungen bei den Stromkosten – spielen bei der Entscheidung für oder wider SMT kaum eine Rolle. „Das Einsparpotenial auf Seite der Haushalte dürfte allerdings auch relativ gering sein, zumal die neuen Zähler zunächst teurer sind als die alten“, betont Veit. Seinen eigentlichen Nutzen entfaltet die Technologie an anderer Stelle: bei der Stabilisierung der Energienetze und dem Abbau der sogenannten Minutenreserve. Sie ermöglicht dadurch eine umweltfreundlichere Deckung des Energiebedarfs. Besonders aufgeschlossen zeigten sich denn auch solche Teilnehmer, die sich von den neuen Zählern einen Beitrag zum Umweltschutz versprachen oder die aus anderen Gründen eine hohe intrinsische Motivation mitbrachten, zur SMT zu wechseln. Die Branche könne diesen Zusammenhang nutzen, um die Verbreitung der Technologie voranzutreiben – zum Beispiel, indem sie in einem ersten Schritt vor allem Ökostrom-Kunden ansprechen. Junge, ökologisch interessierte Verbraucher sind am ehesten zu einem Wechsel bereit. Eine oft geäußerte Sorge betraf jedoch den Datenschutz: Viele der Befragten befürchteten, über die neuen Zähler Einblicke in ihr Privatleben zu geben.