Die Landeshauptstadt setzt mit der ökologischen Mustersiedlung ein Zeichen in sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

In München wächst derzeit Deutschlands größte Holzbausiedlung. Mit der ökologischen Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park will die Stadt München neue Maßstäbe in Sachen Klimaschutz und nachhaltiger Stadtentwicklung setzen. In acht individuellen Holzbauprojekten entstehen in unterschiedlichen Gebäudetypen vom Atriumhaus bis zum Siebengeschosser rund 570 Wohnungen. Das Quartier soll Vorbildcharakter für ganz München haben – für Augsburg auch?

Mit ihren ambitionierten Zielen und in der geplanten Größe ist die Mustersiedlung bislang ein europaweiter einmaliger Vorreiter für nachhaltiges Bauen und ressourcenschonende Quartierentwicklung. Um das zu ermöglichen, ist man in München ungewöhnliche Wege gegangen. Zum Beispiel wurden die Baugrundstücke in Konzeptausschreibungen vergeben, die nicht nur den Preis, sondern auch die Qualität des Konzepts berücksichtigen.

Für die Mustersiedlung wurde für die Vergabeentscheidung das ökologische Kriterium „Einsatz nachwachsender Rohstoffe“ eingeführt und zusätzlich mit einem eigenen Förderprogramm von der Stadt München gefördert. Von 0,70 Euro pro Kilogramm verbaute nachwachsende Rohstoffe für kleine Gebäude bis zu zwei Euro im Geschosswohnungsbau konnten die Bauherren so als Fördermittel erhalten. Die Bewerber verpflichteten sich zudem, Holzbaustoffe aus nachhaltiger Bewirtschaftung oder aus der Region zu beziehen.

Showroom für vielfältige Holzbauvarianten

Die Mustersiedlung wird von privaten Baugemeinschaften, Baugenossenschaften sowie von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften GEWOFAG und GWG realisiert. Auf engem Raum finden sich daher Reihenhäuser und selbst genutzte Eigentumswohnungen direkt neben mehrgeschossigen Wohnanlagen mit geförderten und frei finanzierten Mietwohnungen.

Wer sich einen schnellen Überblick über die aktuellen technischen Möglichkeiten des Holzbaus in den diversen Variationen und Geschosshöhen verschaffen will, der findet mit einem Spaziergang durch die Mustersiedlung einen vielseitigen Showroom – zum Beispiel für die verschiedenen konstruktiven Möglichkeiten des Holzbaus: Neben massiven Brettsperrholzkonstruktionen wurden unterschiedliche Typen von Hybridbauweisen realisiert. Die mehrgeschossigen Wohnhäuser sind teilweise in Stahlskelettbauweise mit Holzfassaden ausgeführt, oder die Fahrstuhlschächte und Treppenhäuser sind aus Brandschutzgründen aus Beton, während der Rest des Gebäudes aus Holz besteht. Je nach Gebäudetyp wurden so zwischen 100 und 280 kg nachwachsende Rohstoffe pro Quadratmeter verbaut. Insgesamt werden in der Mustersiedlung etwa 13000 Tonnen CO2 langfristig gespeichert und bis zu 60 Prozent Emissionen gegenüber mineralischer Bauweise gespart.

Besucheransturm auf der Baustelle

Mitte 2019 werden die ersten Bauwerke fertiggestellt sein, bis 2020 soll die gesamte Mustersiedlung fertig sein. Das Interesse an dem Projekt ist riesig: Rund 400 Teilnehmer folgten der letzten Einladung zur Besichtigung. Augsburger Interessenten, Planer, Architekten, Holzbauer und Immobilienvertreter haben erneut am Freitag, 12. Juli, Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem Netzwerk Holzbau aus dem Wirtschaftsraum Augsburg den Baufortschritt vor Ort anzusehen und sich inspirieren zu lassen.  Die Autorin leitet bei der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH das Geschäftsfeld „Innovationsförderung & Technologietransfer“ sowie das Projekt „Regionalmanagement im Wirtschaftsraum Augsburg“

Weitere Infos unter www.netzwerkholzbau.de

Quelle/Medium: In Kooperation mit www.augsburger-allgemeine.de, AZ-Immobörse, Ausgabe 01.06.2019