Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, Vorstandsmitglied des BFW Landesverband Bayern e. V. und Mitglied des Urban Land Institute, im Herzen Augsburger und in der Welt zuhause: Stephan Deurer gilt als eines der prominentesten Gesichter der Immobilienwirtschaft weit über die Region A³ hinaus. Im Interview verrät er, warum er gerne aus Augsburg kommt, wo er unbedingt einmal leben möchte und welche Zukunft er für seine Heimatstadt sieht.

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Herr Deurer, warum sind Sie gerne Augsburger?

Stephan Deurer: Ich bin hier aufgewachsen. Meine Familie hat Wurzeln in dieser Region, die sich bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückverfolgen lassen. Eine solche Grundlage an einem Standort zu haben, ist etwas Besonderes, das wirft man nicht einfach weg – das gilt umso mehr für eine Bauunternehmer­familie wie uns, denn in unserer Bran­che finden Entwicklungen langfristig statt. Hinzu kommt, dass der süd­bayerische Raum wirtschaftlich sehr stark ist, möglicherweise sogar die wirtschaftlich stärkste Region in ganz Europa darstellt. Hier zu wohnen ist ein Privileg, das ich sehr genieße.

Und warum wohnen Sie gerade hier, in diesem Haus?

Stephan Deurer: Unsere Familie stammt aus Pfer­see – es hätte nicht unbedingt die­ser Stadtteil sein müssen, aber eine zentrale Lage war mir schon wichtig. Und dieses Haus aus den 1920er Jah­ren hatte es uns einfach angetan. Es gibt viele schöne Häuser auf der Welt, doch momentan ist mein Traumhaus dieses hier, in dem wir zwei Kinder großgezogen haben und uns als Fami­lie entwickeln konnten.

Wo würden Sie leben wollen, wenn nicht in Augsburg?

Stephan Deurer: Im Herzen bin ich Augsburger, aber schon heute arbeite und lebe ich global. Überall dort, wo wir auch als Familie viel Zeit verbringen, schlagen wir Wurzeln. Es gibt so viele schöne Orte auf der Welt, New York City, Paris, London … Die Zeit wird zeigen, was kommt und wohin es uns viel­leicht noch verschlägt. Aber irgend­wann werden wir sicherlich einmal für mindestens ein paar Monate in San Francisco leben.

Wenn Sie neue Projekte entwickeln: Was inspiriert Sie?

Stephan Deurer: Alles. Ich mache vieles, weil es mir Spaß macht und nicht, weil ich es muss. In Projekte wie den Sheri­dan Tower oder den Sheridan Campus stecke ich mein ganzes Herzblut. Das sehen und spüren die Menschen auch. Dann gibt es wiederum Sachen, die muss man machen, auch miteinander, ob man sich liebt oder nicht, weil sie einfach wirtschaftlich Sinn machen. Und man muss realistisch bleiben: Nicht alles, was in New York oder in Kopenhagen funktioniert, lässt sich auch in Augsburg umsetzen. Manch­mal möchte man seine Träume verfol­gen – jeder, der seinen Job liebt, spielt auf diesem Klavier. Aber jedes Projekt braucht vor allem auch eine solide wirtschaftliche Grundlage.

Würden Sie sich als mutig beschreiben?

Stephan Deurer: Ja. Aber, und das ist ganz wich­tig: Mein Mut basiert auf Stein und Mörtel. Meiner Meinung nach haben es viele Akteure in anderen Bran­chen deutlich schwerer: Häufig sind diese so schnelllebig, dass es nur darauf ankommt, wer ein Produkt als erster auf den Markt bringt. Dage­gen empfinde ich die Immobilien­branche als dramatisch risikoärmer und wesentlich einfacher zu beherr­schen. Sicherlich werden mir hier viele widersprechen, doch das sind die Erfahrungen, die wir als Familie über Generationen hinweg gemacht haben.

Ein paar Dinge muss man beachten – Stichwort Lage, Lage, Lage – und ein Projekt muss wirtschaftlich sein. Wenn das gegeben ist, dann kann man eigentlich gar nicht mehr so viel falsch machen. So lange die Mensch­heit wächst, ist die Immobilienbran­che ein sicheres Geschäft.

Zweifeln Sie nicht auch mal an einem Projekt?

Stephan Deurer: Um ehrlich zu sein, nein. Ich denke hier langfristig: Wenn etwas heute noch nicht funktioniert, dann warte ich eben, bis der Markt dafür reif ist. Wichtig ist, dass das Projekt insge­samt marktfähig ist. Natürlich ist es einfacher, so zu denken, wenn vom kurzfristigen Ergebnis nicht abhängt, ob Essen auf den Tisch kommt. Aber es geht auch um eine grundsätzli­che Einstellung: Manchmal muss man eben einen langen Atem haben.

Was braucht es, um andere zu begeistern?

Stephan Deurer: Eine Vision zu haben, fest an etwas zu glauben, das ist wich­tig, aber das alleine reicht nicht. Es kommt darauf an, fokussiert zu sein, vernünftig mit anderen Menschen und mit Geld umzugehen. In meinem Leben gab und gibt es viele Men­schen, vor denen ich großen Respekt habe, weil sie vorangeschritten sind, weil sie etwas bewegt haben, weil sie das, woran sie geglaubt haben, selbst vorgelebt haben. Hier erntet man, was man sät, davon bin ich überzeugt.

Sie sind beruflich viel unterwegs, vor allem in Nordamerika. Wenn Sie von dort wieder zurückkehren nach Augs­burg: Was bringen Sie mit?

Stephan Deurer: Der nordamerikanische Immobi­lienmarkt ist der größte und profes­sionellste der Welt. Immobilien sind dort ein Handelsgut, auch im privaten Bereich. Der Markt ist viel transparen­ter, und die Menschen denken mark­torientierter. Diese Denkweise setzt viel Potenzial frei, und das versuche ich, nach Augsburg zu bringen.

Auch in anderen Bereichen gibt es meiner Ansicht nach in Nordamerika gute Ansätze, die bei uns ebenfalls funktionieren könnten. So haben die Kanadier eine sehr gute Immigrati­onspolitik: Der jährliche Zuwachs ist begrenzt, und es gibt klare Regeln, die allen das Zusammenleben und -arbeiten ermöglichen und erleichtern. Seit über 40 Jahren ist unser Unter­nehmen auch in Toronto aktiv, und wir haben deshalb häufig miterlebt, wie gut dieses Konzept funktioniert. Ich habe großen Respekt vor der Frage, wohin sich unsere Gesellschaft ent­wickelt und wie wir mit den Themen Immigration und Fachkräftemangel – den wir in unserer Branche übrigens besonders stark spüren – umgehen werden. Und es gibt Länder, die schon lange Lösungen vorleben.

Wie unterscheidet sich die Can-do-Men­talität der Amerikaner von der Haltung der Deutschen?

Stephan Deurer: Die Amerikaner sehen – egal, in welcher Lebenslage – immer zuerst die Chancen. Die Probleme, so der Gedanke, werden schon von ganz alleine kommen. Die Deutschen hal­ten es genau umgekehrt: Zunächst einmal werden alle Probleme gesucht, und dann, wenn man keine findet, überlegt man sich ganz genau, wie ein Thema angegangen werden sollte. Das kostet viel Zeit, und es werden Chancen vertan. Sicher: Wo Erfolg ist, ist auch Misserfolg, das ist in Ame­rika nicht anders. Doch die Suche nach dem Negativen hat in Deutschland sehr stark zugenommen.

Halten Sie das für problematisch?

Stephan Deurer: Ja, auch politisch gesehen. Die Grenzen nach unten weichen immer weiter auf, die Gesellschaft wird zunehmend von Extremen gesteuert. Einerseits geht es den Menschen so gut wie nie zuvor, andererseits haben sie Angst vor der Zukunft und verlieren den Glauben an die Politik. In Deutsch­land wird Demokratie noch gelebt, in Großbritannien und den USA sehe ich schon ein anderes Bild. Wir müssen gegensteuern, bevor es zu spät ist. Denn wir haben in Deutschland wahr­scheinlich die besten Politiker, die es auf diesem Planeten gibt. Nur trauen diese sich häufig nicht, aktuelle Pro­bleme anzupacken, selbst dann nicht, wenn sie die Lösung dafür kennen.

Die da wäre?

Stephan Deurer: Wir haben in den vergangenen Jah­ren eine Wertsteigerung von Immobi­lien erlebt, die in ihrer Extreme schon an Perversion grenzt. Es handelt sich sicher nicht um eine Blase, aber diese Entwicklung ist trotzdem problema­tisch, denn sie ging zu schnell von­statten. Die Gehälter konnten und können mit den Miet- und Kaufprei­sen von Immobilien nicht mithalten.

Dafür gibt es zwei Lösungen: urban sprawl – also die flächenmäßige Ausweitung der Städte, wie in Atlanta oder Houston. Oder Verdichtung, wie in Barcelona, Paris oder London. Letztere ist sicherlich die sinnvollere Lösung. Doch die dafür notwendige gesellschaftliche Diskussion ist bei Weitem noch nicht an diesem Punkt angelangt.

Außerdem brauchen wir dringend neue, transparente Konzepte und müssen dabei auch bisherige Vor­schriften überdenken und stärker in öffentliche Räume investieren. Für das Gemeinwohl könnte viel getan werden, ohne dass individuelle Freihei­ten dramatisch eingeschränkt werden müssten. Man muss aber offen dafür sein, auch als Gesellschaft. Die grund­sätzliche Frage ist doch: Wollen wir Raum für mehr Menschen schaffen oder nicht? Und darauf gibt es eigent­lich nur eine akzeptable Antwort.

Was denken Sie: Wie sieht der Wirt­schaftsstandort Augsburg in zehn Jah­ren aus?

Stephan Deurer: Augsburg hat sich in den vergan­genen zehn Jahren stark verändert. Es ist vielleicht etwas unfair und sicher­lich auch nicht ganz richtig, dies nur einer Person zuzuschreiben, aber ich möchte ihn an dieser Stelle trotzdem erwähnen: In der Ära unseres Ober­bürgermeisters Dr. Kurt Gribl wurde gesät, und diese Früchte dürfen wir jetzt ernten. Hinzu kommen noch weitere Punkte: Die neue Universi­tätsklinik ist eine riesige Chance für Augsburg; die Unternehmen zahlen – endlich – bessere Löhne; München ist außer Kontrolle, was Platz für Woh­nen und für Firmen angeht; und Augs­burg hat alle Chancen der Welt. Wir müssen sie nur nutzen. Dabei müssen auch Lösungen gefunden werden für die großen Herausforderungen in den Bereichen Wohnen und Infrastruk­tur – und zwar zeitnah, solange es die Fachkräfte, die diesen Wandel auch umsetzen können, bei uns noch gibt.

Zum Schluss: Was muss geschehen, damit der Wirtschaftsraum Augsburg ein noch besserer Ort wird, um zu leben, wohnen, arbeiten?

Stephan Deurer: Wir müssen unsere Städte lebens­wert gestalten. Mein Wunsch ist es, dass wir als Standort hier noch viel innovativer werden. Mehr Vertrauen in die Zukunft haben, hinaus in die Welt gehen und für uns mitnehmen, was uns besser machen kann. Wir Augsburger müssen das Rad nicht neu erfinden, nur unsere Augen öffnen für das, was möglich ist.

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