Aus der 3-D-Druck-Aktion des Instituts für Materials Resource Management entsteht eine Multi-Partner-Initiative mit kommerzieller Lieferkette bei industriellen Partnern.

Zulauf von weiteren Partnern aus Wissenschaft und Industrie

Schichtpläne erarbeiten, Materiallogistik regeln, Bauteilbestand erfassen – der Arbeitsalltag von Prof. Markus Sause vom Institut für Materials Resource Management (MRM) fühlt sich nur oder gerade wegen der Coronakrise anders an als der reguläre Wissenschaftsbetrieb. „Wir erfahren für unsere 3D-Druck-Aktion eine breite Unterstützung. Nachdem wir die Aktion gestartet haben, haben sich viele außeruniversitäre Partner bereit erklärt, mit uns zusammenzuarbeiten“, freut sich Markus Sause.

So surrten die 3D-Drucker mittlerweile nicht nur an der Universität Augsburg, sondern auch die Hochschule Augsburg und das Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik (IGCV) stellten Know-how, Drucker und Personal zur Verfügung, um den Ausstoß zu steigern. „Anfänglich rechneten wir mit einer Teileproduktion von rund 50 Stück am Tag. Durch die Optimierung des Druckprozesses – die Drucker arbeiteten nun zwölf Stunden vollautomatisch – und die Kooperation mit unseren Partnern konnten wir den Ausstoß deutlich erhöhen. Damit ist es gelungen, den temporären Engpass zu beheben“, stellt Markus Sause fest.

Etablierte Kooperationen machen die flexible Hilfs-Aktion möglich

Das Fraunhofer IGCV und die Hochschule Augsburg sind auch die Forschungspartner in anderen gemeinsamen Projekten. „Jetzt zeigt es sich, dass etablierte Kommunikationswege wertvoll sind, um alle zügig ins Boot zu holen. Als wir von dem Projekt hörten, war es für uns klar, dass wir uns hier mit einbringen werden“ sind sich Paul Dolezal vom FabLab (Fabrikationslabor) der Hochschule Augsburg und das Team aus dem Bereich der additiven Fertigung unter der Leitung von Prof. Johannes Schilp und Dr. Georg Schlick vom Fraunhofer IGCV einig.

Industrielle Fertigung liefert nun rund 10.000 Stück pro Tag

Die Aktion, die das MRM im März ins Leben gerufen hatte, war darauf ausgerichtet, den akuten Bedarf am Universitätsklinikum zu decken. Aber viele weitere Einrichtungen benötigen momentan ebenfalls Schutzausrüstung. Deswegen wurde parallel mit Hochdruck daran gearbeitet, eine kommerzielle Lieferkette bei industriellen Partnern aufzubauen, da gerade für große Stückzahlen alternative Prozesstechnologie wirtschaftlicher sind. „Mit gewissen konstruktiven Modifikationen sind die gedruckten Teile auch im Spritzguss oder über Laserbearbeitung zu fertigen. Diese Prozesse sind industriell weit verbreitet“, betont Prof. Kay Weidenmann (MRM). Mehrere Unternehmen im Raum Augsburg haben sich zwischenzeitlich zusammengetan und können auf das Knowhow des Instituts zurückgreifen. Die Produktionskapazität liegt hier mittlerweile bei rund 10.000 Stück pro Tag.

Forschung hilft!

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass Forschungsergebnisse und wissenschaftliches Knowhow in der Praxis Anwendung finden. So gelingt außerdem der Transfer in Gesellschaft und Wirtschaft, um dort zu Innovationen und neuen Produkten zu führen. Genau das wird an der Universität Augsburg im Rahmen des Projekts „Wissenstransfer Region Augsburg“ (WiR) erforscht. Die für Forschungsarbeiten des Projekts eingesetzten 3D-Drucker wurden ebenfalls für die Produktion der Schutzausrüstung für das Universitätsklinikum eingesetzt. Dass jetzt auch ein Transfer in die Wirtschaft stattfindet, zeigt, dass der von WiR forcierte Transfer aus der Universität hinein in Unternehmen funktioniert.

Initiator: Institut für Materials Resource Management (MRM)

Das Institut für Materials Resource Management (MRM) wurde im Jahr 2009 gegründet. Es wendet sich der Erforschung und Implementierung neuer Strukturwerkstoffe, Prozesse, Produkte und Technologie unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und effizienten Nutzung von Rohstoffen zu. Das Ziel ist es, sich zum führenden Institut für nachhaltige und digitale Werkstoff-Forschung in Bayern zu entwickeln. Dabei widmet sich das MRM der Betrachtung vollständiger Wertschöpfungsketten und deren Optimierung bezüglich Ressourcen- und Energieeffizienz. Es wird eine unmittelbare Umsetzung der entwickelten Konzepte in die Praxis angestrebt, was eine enge Verbindung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung voraussetzt.