Der Aktivsenioren Bayern e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Existenzgründern und Kleinunternehmen mit ihrem Know-how beratend zur Seite zu stehen. Nun bereiten sich die 430 ehrenamtlich tätigen Mitglieder auf die erwartete Anfrage-Flut in der Zeit nach Corona vor.

Eine schmerzliche Erfahrung: In Corona-Zeiten können besondere Stärken plötzlich zum Handicap werden. Gerade Vertreter der älteren Generation gelten in diesen Tagen als „Risikogruppe“, die aus gesundheitlichen Gründen von den Kontaktbeschränkungen besonders betroffen ist. Das berührt die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Aktivsenioren Bayern e.V. an einer empfindlichen Stelle.

Ehemalige Spitzenkräfte geben ihr Know-how weiter

Die allermeisten der 430 Mitglieder sind über 60 Jahre alt. Einige der aktiven Ruheständler haben sogar in den Achtzigern noch wertvolles Know-how zu bieten. Ihre langjährigen Fähigkeiten und ihr Wissen als Ex-Unternehmer, Manager und Experten sowie ihre Reife prägen den Markenkern dieses seit über 35 Jahren tätigen und gemeinnützigen Vereins. Rund 30.000 persönliche und kontaktnahe Beratungen von Existenzgründern und Kleinfirmen stehen in der Leistungsbilanz der Aktivsenioren. Die Schaffung und der Erhalt von gut 50.000 Arbeitsplätzen in Bayern geht den Angaben zufolge ebenfalls mit auf ihr Konto.

Neben den Hilfen und Tipps beim Ausfüllen der Förder- und Überbrückungsanträge geht es immer wieder um Routinen bei den von Arbeitsagenturen, Kammern und Banken kommenden Aufträgen: Bewertung des Business-Plans, die Einschätzung der persönlichen Talente und Qualitäten für eine Selbständigkeit und letztlich um die begehrte Tragfähigkeitsbescheinigung für einen Gründungszuschuss. Exakt 963 derartiger Anschubprojekte für Existenzgründer konnte der Aktivsenioren Bayern e.V. 2019 abschließen und auf einen guten Weg bringen – ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Mit digitalen Beratungen durch die Corona-Zeit

Und nun die Corona-Misere. „In den vergangenen Wochen waren wir hauptsächlich bei Beratungen zur Vermeidung der Betriebsaufgabe gefordert“, schildert Reinhold Heiß, erster Vorstand des Vereins, die Auswirkungen des Virus auf die Vereinstätigkeiten. „Es gibt indes auch Unternehmer, die in der Krise eine Chance sehen und sich für die Zeit danach fit machen“. Geschäftsmodellanalyse, Optimierung von Marketing und Vertrieb, Rentabilität, aber auch Unternehmensnachfolge seien die Stellschrauben an denen jetzt – wo es zwangsläufig mehr Zeit dafür gibt – stärker gedreht werde.

Seit Mitte März sind bei den Aktivsenioren in Bayern alle Versammlungen, Meetings und Konferenzen auf Eis gelegt. Vereinschef Heiß hat seine Mannschaft deshalb zu einer „digitalen Offensive“ via E-Mails, Skype, Video Chats, Telefon oder Social Media aufgerufen. Die Aktivsenioren halten auf diese Weise laufenden Kontakt zu ihren Klienten.

Aktivsenioren bereiten sich auf den Boom nach Corona vor

Für den Aktivsenior und Regionalleiter von Schwaben, Claus Palm, ist die digitale Kommunikation freilich nur ein Teil der Lösung. „Ich bin ein erklärter Freund der persönlichen Gespräche“, betont er, „ich bevorzuge bei einem Beratungsgespräch das Gesicht meiner Gegenüber aus der Nähe zu sehen, um ihre Reaktionen einschätzen zu können“.

Dazu wird es – unter leicht veränderten Vorzeichen – vielleicht schon bald wieder mehr Anlass und Gelegenheit geben. „Wenn die Wirtschaft nach Corona wieder anläuft, werden wir in der Gründungsberatung und beim Coaching sehr viel zu tun haben “, prognostiziert Vorstand Reinhold Heiß. „Da kommt ein richtiger Boom auf uns Aktivsenioren zu“.