Beim Wirtschaftsdialog „Artenvielfalt fördern“ in Augsburg bei deka messebau trafen sich rund 35 Gäste, um sich zu informieren, wie sich Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit im Wirtschaften einsetzen können.

In der Region A³ gibt es bereits viele Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihre Strategie aufgenommen haben und Projekte umsetzen. Das zeigt die neue Plattform Nachhaltigkeitsatlas A³ für die die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH gute Beispiele und Angebote gesammelt hat. Zwei dieser Beispiele wurden beim Wirtschaftsdialog „Artenvielfalt fördern“ vorgestellt: Die Firma deka messebau und die Öko-Modellregionen Stadt.Land.Augsburg. und Paartal.

Artenvielfalt auf Gewerbeflächen

Viele Unternehmen begrünen ihre Außenflächen standardmäßig mit Rasen oder Gartensträuchern. Das geht auch anders und langfristig gesehen auch mit weniger Kosten und Aufwand: Die Firma deka messebau GmbH, mit Sitz im Augsburger Sheridanpark, ist ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern. Wie die Idee entstanden ist, erzählt Christine Hofmann-Brand, Mitarbeiterin bei deka messebau: „Auslöser für unser Naturschutz-Projekt waren drei Distelfinken, die wir 2016 auf einer der letzten Brachflächen im Sheridanpark gesichtet haben. Wir haben kurzerhand ein Konzept entwickelt.“ 2017 wurden ca. 1.200 m² freie Rasenfläche rund um das Unternehmensgebäude in einen in der Region natürlich vorkommenden Lebensraum umgewandelt. Wertvolle Inputs gaben das Bayerische Landesamt für Umwelt, das Amt für Grünordnung und der Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg.

Aus der reinen Rasenfläche wurde ein Magerrasen- bzw. Heide-Standort für heimische Tier- und Pflanzenarten. Dafür wurden damals rund 10.000 Euro investiert. Ziel war es, die Freiflächen für heimische Magerrasen-Pflanzen, Insekten, Schmetterlinge, Kleintiere und Vögel (z.B. Distelfinken) nutzbar und als Naturraum wertvoll zu machen. Durch die Zerschneidung, Überbewirtschaftung und Überdüngung der Landschaft werden viele Tier- und Pflanzenarten zunehmend seltener und verlieren ihren Lebensraum. Hier wirkt das Projekt entgegen, indem der Wanderkorridor für Tiere und Pflanzen vergrößert wurde. So schließt das umgestaltete Gelände an eine Grünzone des Sheridanparks an. „Wir sind begeistert, wie sich die Fläche inzwischen entwickelt hat: Ein Imker hat mit seinen Bienenvölkern bereits eine Heimat bei uns gefunden und auch Wildtiere wie Hasen finden sich immer wieder ein. Ein großer Mehrwert ist natürlich auch, dass wir eine schöne Fläche zum Verweilen für unsere Mitarbeiter geschaffen haben und sich jeder auch einbringen kann – vom Insektenhotel bis zum arrangierten Totholz“, so Stephan Karrer, Geschäftsführer der deka messebau GmbH.

Nachhaltigkeit im Messebau

Im Messebau ist Nachhaltigkeit eine Herausforderung: Messestände sind kurzlebige Produkte, die oft nach einmaliger Benutzung entsorgt werden. Um dem entgegenzuwirken und auch die Effizienz zu steigern, hat die deka messebau ein Konzept, das sich auch auszahlt. Messestände werden modular geplant und können nach dem Einsatz in Teilen eingelagert werden. So werden nicht nur Bausteine wiederverwendet und Module umgestaltet, sondern auch durch professionelle Lagerung instand gehalten. Das spart Ressourcen und verlängert die Lebensdauer der Produkte. „Wir sind überzeugt, dass künftig immer mehr langlebige Produkte von den Kunden nachgefragt werden, so auch Messestände. Um dazu die entsprechende Einlagerung anbieten zu können, haben wir 2017 eigens eine neue Lagerhalle gebaut“, so Karl Demharter, Betriebsleiter der deka messebau GmbH.

Biodiversität und Nachhaltigkeit auf dem Teller: regionale Bio-Produkte

Die Öko-Modellregionen haben zum Ziel, die ökologische Landwirtschaft, den regionalen Konsum von Bio-Produkten und die ländliche Entwicklung voranzubringen. Das Landesprogramm BioRegio 2030 hat das Ziel, dass bis 2030 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern ökologisch bewirtschaftet werden. Im Wirtschaftsraum Augsburg gibt es gleich zwei geförderte Projekte, mit denen die regionalen Unternehmen zusammenarbeiten können: die Öko-Modellregion Paartal im Landkreis Aichach-Friedberg sowie die Öko-Modellregion Stadt.Land.Augsburg.

Speziell für Unternehmen gibt es bereits viele Angebote. Ulrich Deuter und Kathrin Seidel, die beiden Manager der Öko-Modellregionen, sind überzeugt: „Eine Region ist so aktiv wie ihre Unternehmen, Bürger und Initiativen. Wir freuen uns über Menschen, die mit uns die Öko-Modellregion gestalten möchten und sehen uns als Anlaufstelle für Projektideen zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft. Oftmals braucht es nur einen kleinen Schritt, damit aus einer Idee Wirklichkeit wird. Wir begleiten und unterstützen gerne dabei!“ Zum einen helfen die Projektinitiativen den Unternehmen bei der Integration von zusätzlichen regionalen Bioprodukten in der Betriebsverpflegung (z.B. in der Kantine, Snackbar, bei Betriebsfesten etc.). Zum anderen organisieren die Öko-Modellregionen Coachings oder Informationsveranstaltungen zum Thema „Mehr Bio in regionalen Unternehmen“ für unterschiedliche Zielgruppen wie das Küchenpersonal, die Mitarbeiter oder die Geschäftsleitung.

Nachhaltiges Wirtschaften unterstützen

„Wir bei der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH freuen uns, wenn wir auf wegweisende Projekte und engagierte Unternehmen aufmerksam machen können. Darin liegt auch der Schlüssel, „Nachmacher“ zu animieren und die ganze Region zukunftsfähig aufzustellen“, so Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH. Wie wichtig das Thema Nachhaltiges Wirtschaften ist, wurde in der Region Augsburg frühzeitig erkannt. Jenseits der ,klassischen‘ Wirtschaftsförderung will A³ Impulse setzen hin zu einer regionalen Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit. Die aktuelle Bedeutung von Klimaschutz und der New Green Deal der EU geben der Region daher zusätzlich Rückenwind. Weil das Thema eine solch zentrale Rolle spielt, wurde Nachhaltiges Wirtschaften bereits 2016 als eigenes, zusätzliches Geschäftsfeld der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH etabliert.
Ausführliche Berichte zu den Projekten der deka messebau GmbH und den Öko-Modellregionen finden Sie auch auf dem Nachhaltigkeitsatlas.