Recycelte Rotorblätter zur Rettung von Bäumen? Dass das geht, zeigt das Gemeinschaftsprojekt im Augsburger Stadtwald: Der mächtige Torso einer abgestorbenen Buche wird durch zwei Carbon-Stangen stabilisiert. Nach dem Motto „second life“ werden die recycelten, sechs meter langen Carbon-Stangen aus den abgebauten Rotorblättern eines Windrades wiederverwendet: Altersschwache und vom Fällen bedrohte Bäume erhalten so eine Stütze. Mit diesem innovativen Pilotprojekt eruieren die Stadt Augsburg, Wissenschaft und Industrie gemeinsam die Möglichkeiten, mit hochwertigem recyceltem Carbon morsche Bäume und damit wertvollen Natur-Lebensraum für Artenvielfalt nachhaltig zu sichern. Der erste Prototyp wurde nun von den Projektpartnern vorgestellt.

In und auf einem abgestorbenen Baum tummelt sich mit Vögeln, Käfern, Flechten, Moosen und Pilzen vielfältiges Leben. „Große alte Bäume und historische Baum-Monumente“, betont Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben, „stellen einen nahezu unersetzlichen Wert für die Artenvielfalt dar“. Aber das morsche Holz solcher Bäume bricht auch leicht und ist dann vor allem in Naherholungsgebieten eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Spaziergänger und Radfahrer. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, lassen die zuständigen Kommunen darum alte und instabile Bäume oft fällen.

Recyceltes Carbon als Lösung

Die beiden Carbon-Fachleute Heine und Weißgerber haben nun eine innovative und zugleich einfache Lösung gefunden. Das Hochtechnologie-Material wird bei diesem spannenden Recycling- und Naturschutz-Projekt wiederverwendet: Die sechs meter langen Baumstützen sind ein Recyclingprodukt aus Rotorblättern rückgebauter Windkraftanlagen. Carbon „ist äußerst stabil, langlebig und widerstandsfähig gegen Korrosion und andere Umwelteinflüsse, dabei auch sehr leicht und filigran“, erklärt Heine, Innovationsmentor des Composites United e.V. (CU).

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von dem Baumsachverständigen Dipl.-Ing. Andreas Detter, Gauting, und Dr. Michael Heine, Sachverständiger für Carbonfasern und Verbundwerkstoffe, Augsburg. Das Material stellte Franz Weißgerber zur Verfügung, Geschäftsführer der im Donau-Ries ansässigen iii-Carbon Weißgerber GmbH & Co. KG. Heine und Weißgerber sind die treibende Kraft hinter diesem und zahlreichen weiteren innovativen Ansätzen zur Nutzung des ebenso spannenden wie vielseitigen Werkstoffs Carbon. Unterstützung hierfür finden sie in der Augsburger Geschäftsstelle des international tätigen Branchenverbandes Composites United e.V. (CU), in dem beide ebenfalls aktiv sind.

Auch Weißgerber erwartet, dass „die sägerauen Carbon-Stützen in den kommenden Jahren von einer Bewitterungsschicht aus Moosen und Flechten überzogen werden“ und sich dann bei gleichbleibender Stabilität vollends unauffällig in das Waldbild einpassen. Zwei fragile Bäume möchte die Stadt Augsburg zunächst mit den Carbon-Stützen ausrüsten. Im Erfolgsfall könnten zahlreiche weitere Bäume gestützt und wertvoller Natur-Lebensraum gesichert werden.