Ein Gastbeitrag von Ralf Schmidtmann, Leiter des Liegenschaftsamts der Stadt Augsburg, gibt im Interview Einblicke in seine Arbeit

 

Ein Liegenschaftsamt verwaltet sämtliche Verwaltungsgebäude einer Stadt oder Gemeinde. Die Aufgaben sind vielfältiger als man denken mag. Im Liegenschaftsamt Augsburg werden etwa 1600 Grundstücke, 88 Gebäude, Ladengeschäfte, Gaststätten, öffentliche Toiletten und sogar historische Türme und Tore verwaltet. Im Gespräch mit dem seit Dezember 2019 neuen Leiter des Liegenschaftsamtes der Stadt Augsburg, Ralf Schmidtmann, erfuhr die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH, was die besonderen Herausforderungen sind.

Herr Schmidtmann, was sind Ihre wesentlichen Aufgaben?

Ralf Schmidtmann: Diese sind breit gefächert und bilden das komplette Immobilienmanagement ab. Die Aufgaben reichen vom Kauf, über die Verwaltung und Betreuung bis hin zur Vermarktung von Liegenschaften. Ob großflächige Unternehmensansiedlung oder der Verkauf von wenigen Quadratmetern zur Flächenarrondierung. Unser Portfolio zeigt dabei die ganze Bandbreite einer Großstadt auf. Daneben kümmern wir uns auch um die Einräumung und Löschung von Rechten wie beispielsweise Vorkaufsrechte, Geh- und Fahrtrechte oder Hypotheken.

Wie möchten Sie diese Aufgabe ausgestalten, was machen Sie beispielsweise anders als Ihr Vorgänger?

Schmidtmann: Ich kann mich bei all diesen Aufgaben auf ein hochmotiviertes und engagiertes Team von über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu 100 Prozent verlassen. Mir ist der Dienstleistungsgedanke für unsere Bürgerinnen und Bürger, aber auch die vielen Kolleginnen und Kollegen in den von uns verwalteten Liegenschaften äußerst wichtig. Dabei unterstützt uns die Digitalisierung. Ich denke, dass darin die große Chance, aber auch Herausforderung liegt, alle Kolleginnen und Kollegen in diesem Change-Prozess mitzunehmen.

Was betrachten Sie als die größte Herausforderung?

Schmidtmann: Ganz klar die Baulandschaffung für die wachsende Bevölkerung in Augsburg als eine Säule der städtischen Offensive Wohnraum Augsburg. Gleichzeitig müssen unsere breiten Grundbesitzstrukturen strategisch optimiert werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Familienförderung. Diese sollen darin unterstützt werden, sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen zu können. Das Familienförderprogramm wurde bereits für einige stadteigene Baugebiete erfolgreich umgesetzt. Mit einer neuen Richtlinie für die Vergabe und Förderung von stadteigenen Wohnbaugrundstücken für selbst genutztes Wohneigentum möchten wir perspektivisch in zwei, eventuell sogar drei Baugebieten diesen Gedanken fortsetzen. Sie sind zudem seit 2011 Geschäftsführer der GVZ Entwicklungsmaßnahmen GmbH und kümmern sich dort um die zielgruppengenaue Vermarktung von Logistikflächen.

Wie sehr prägen diese Erfahrungen auch Ihre Rolle im Liegenschaftsamt?

Schmidtmann: Das kann ich gut mit einem Wort beschreiben: „Perspektivwechsel“. In unzähligen Ansiedlungsgesprächen habe ich immer versucht, die Kunden in das GVZ zu lotsen. Aufgrund der Größe des GVZ war es nicht einfach, die Dimension zu greifen, sodass ich sehr bald unseren Lärmschutzhügel genutzt habe, von oben, also aus anderer Perspektive, das GVZ zu erklären. Ich versuche mich also stets in die Rolle und die Perspektive meines Gegenübers zu versetzten. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leben auch meinen Grundsatz der Lösungsorientiertheit. Damit konnten wir im GVZ aus einer riesigen landwirtschaftlichen Fläche einen der Top-Logistikstandorte in Deutschland entwickeln.

 

Quelle/Medium: In Kooperation mit http://www.augsburger-allgemeine.de
Der Artikel ist am 04.07.2020 in der AZ- Immobörse erschienen.